Nathan Larson: Zero One Dewey

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„Meist kommt man aus der Kacke nur raus, wenn man mittendurch latscht.“

Die Person, die sich Dewey Decimal nennt, weiß wovon sie redet. Und sie redet rund 300 Seiten, ein Monolog über New York nach den Anschlägen, die die Stadt am Valentinstag vor zwei Jahren größtenteils zerstört und die Bevölkerung zur Hälfte getötet oder vertrieben hat. In diesem Milieu arbeitet Dewey, er weiß nicht so recht für wen, weiß nicht wie lange er noch durchhält. Erledigt Drecksarbeit für einen dubiosen frömmelnden Senator und dessen Hintermänner, erhält dafür zum Überleben wichtige Dinge wie das Desinfektionsmittel PURELL®, ohne das er genau so wenig leben kann wie die Wohlfühlpillen, die er regelmäßig oder bei besonderen Anlässen einwirft. Dewey ist ein armes Schwein, das weiß er, ausgestattet mit künstlichen Körperteilen, im Hinterkopf mit einem Chip versehen, der ihm spezielle Fähigkeiten verleiht. Körperlich und psychich ein Wrack, das zudem noch die meisten Aufträge vergeigt. Wesentliche Erinnerungen aus seinem früheren Leben sind verschwunden, besonders die, die die Begebenheiten an jenem katastrophenbeladenen Valentinstag und seine Rolle dabei betreffen.

Nun bekommt er einen neuen Auftrag in der Stadt, die aufgeteilt ist unter Chinesen, Russen und heimische Verbrechergewächse, die „Gewächse“ als Teil einer Koalition zu denen Saudis, Israelis und ein paar Ex-EU-Mitglieder gehören. Dewey Decimal neue Aufgabe ist, ein saudisches Zwillingspaar, angeblich das Thronfolgerpaar, sicher durch NYC zu geleiten, zu einem nicht näher benannten Ort, an dem sie sich reproduzieren sollen, um den Fortbestand der Dynastie zu gewährleisten. Ein abartiges Projekt, bei dem Dewey eine besondere Rolle spielt, aber sie zunächst nicht erkennt. Da zudem einige Kräfte, das Gelingen des Experiments verhindern wollen, driftet das Grüppchen zu Fuß durch New Yorks nie in Betrieb genommene oder inzwischen stillgelegte U-Bahn-Stollen, dann mit diversen Autos durch das Straßennetz der zerstörten Stadt, durch giftige Dämpfe, vermüllte Straßen, vorbei an Hochhausruinen. Überall tauchen vor Waffen strotzende Gegner auf, die es auf das Thronfolgerpaar und/oder ihren Beschützer abgesehen haben. Gegner, die eliminiert werden müssen, damit das Ziel erreicht werden kann. Zwischendurch wird Dewey von seinem Chip befreit, erfährt über seine Rolle am Valentinstag vor zwei Jahren und er weiß, dass er dieses Abenteuer nicht lebend überstehen wird.

Und trotzdem verspürt Dewey Decimal in dem Moment, da alles endet, Dankbarkeit – läßt er uns am Schluss des Buches wissen. So ist er nun mal (gewesen), unser Held.

Dies ist der dritte Teil einer verrückten Geschichte eines wirr erscheinenden Kämpfers gegen alles, was die skelettierte Stadt mit ihren unterschiedlichen Besatzer und kriminellen Interessengruppen nach den Ereignissen darstellt. Dewey mit seinen Macken mittendrin im Chaos, als Werkzeug des Bösen bei seinen Versuchen ein wenig Gutes auszustrahlen, Böses in Grenzen zu halten, seinen Job zu erledigen. Bei der Übermacht des Bösen ein naives Vorhaben. Gut, dass Dewey nicht nur mit Waffen umgehen kann, sondern oftmals auch mit bitterem Humor die aussichtslos erscheinenden Situationen in seinem Monolog beschreibt.

Zero One Dewey ist eine desillusionierende Geschichte, Dystopie pur. Das zu beschreiben, ist Nathan Larson gelungen.

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Originaltitel: The Immune System (USA, 2015), dt.  2016 (Übersetzung: Andrea Stumpf) erschienen im Polar Verlag

Die Bände 1 und 2 der Trilogie sind bei Diaphanes erschienen:

Band 1:  2/14

Band2: Boogie Man

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