Philip Kerr: Die Hand Gottes

IMG_0598DIE HAND GOTTES entspricht den Vorstellungen von Klein-Fritzchen über Fußball – wenn er denn nicht glühender und kritikloser Anhänger von Bayern München, Real Madrid oder anderen dieser nahezu göttlichen oder königlichen Vereine ist.

Die Fußballwelt von Scott Manson, dem fiktiven Trainer des ebenfalls fiktiven Spitzenclub der englischen Premier League, London City, strotzt von Skandalen,  milliardenschweren Clubbesitzern, kriminellen  Funktionären, sensiblen Spielergestalten, brutalen, empathielosen Grätschern und Tretern, arroganten Möchtegernstars und skrupellosen Spielervermittlern. Dazu kommen die unsportlichen Fans und Hooligans, auch die Edelnutten sind nicht fern, um bestechliche Funktionäre zu beglücken und geile Spieler zu befriedigen.

In diesem Umfeld gibt es nur wenige Normalos, einer davon ist Scott Manson. Und dem scheint die Mannschaft zu entgleiten und auch sein Job, als bei einem Qualifikationsspiel der Champions League in Griechenland einer seiner besten Spieler tot umfällt. Ein Herzinfarkt soll den genialen Spieler umgehauen haben, doch da die Ärzte streiken, kam Hilfe zu spät. Da auch die Pathologen unter ihnen streiken, kann zunächst die Todesursache nicht festgestellt werden. Als zudem noch die Schöne eines Escort-Service tot aus einem Hafenbecken in der Nähe gefischt wird, wird die englische Mannschaft samt Trainer in Athen festgesetzt, denn das Girl war in der Nacht vor dem Tod des Fußballers dessen „Gast“. Die Polizei schließt nicht aus, dass Personen von London City in den Todesfall verwickelt sind.

Keine Hoffnung für Manson bei lässigen, für Fakelaki empfängliche Polizisten und streikenden Pathologen schnell Klarheit über die Todesfälle zu bekommen und Griechenland mit seiner Mannschaft wieder verlassen zu dürfen. Deshalb entscheidet sich der Trainer für zweierlei: Das Rückspiel will er in Griechenland bestreiten und bis sich bis dahin selbst darum kümmern, wie es zu den zwei Todesfällen kommen konnte.

Den Beweis für seine Fähigkeiten als Ermittler hat Scott Manson bereits erbracht. Vor einigen Monaten hatte er den Mord an seinem Vorgänger João Zarco aufgeklärt, unter dem er als Co-Trainer gearbeitet hatte (Philip Kerr: Der Wintertransfer). Und das gelingt ihm auch in diesem Fall.

Philip Kerr beschreibt in diesem Thriller die Machenschaften der Vereinseigner und -bosse sowie von Spielervermittlern und den Fußballakademien in der Dritten Welt und deren Einfluss auf den englischen Fußball mit Verweisen auf die großen Player auf und neben dem Rasen.

Das Geschäft mit dem Fußball und den Spielern in der Welt eines Roman Abramowitsch oder José Mourinho ist die Basis dieses Thrillers und zugleich in der Verknüpfung von realen Ereignissen mit der fiktiven Story der Schwerpunkt des Buches.

Ein faszinierender Einblick und nebenbei ein passabler Thriller mit reichlich schmutzigen Geschäften, bei dem der Thrill um die Tode und deren Aufklärung in den Hintergrund tritt – nicht nur für Klein-Fritzchen.

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Originaltitel: Hand of God (UK 2015), dt.2016 (Übersetzung: Hannes Meyer)

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Eine Antwort zu Philip Kerr: Die Hand Gottes

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