Zwei unkonventionelle Krimis von Christiane Geldmacher: „Love@Miriam“ und „Willkommen@daheim“

„….wahrscheinlich der erste Versuch, das gesellschaftliche Phänomen Facebook literarisch darzustellen. Und er ist ihr gelungen“, schrieb Joachim Feldmann (Die Welt) über Love@Miriam.

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Love@Miriam

Dieser „erste Versuch“ ist tatsächlich gelungen. Darin tapert Harry Weingarten sowohl im wirklichen Leben aber besonders in der Welt von Facebook und dem „www“ unbeholfen herum, mit dem einzigen Ziel, seine Ex-Freundin Miriam zu überzeugen, wieder zu ihm zurückzukommen. Harry hatte die Flucht ergriffen vor den Problemen dieser Welt – und das waren sein dementer Vater, die überforderte Mutter und Freundin Miriam, die von ihm forderte, „mehr für die Familie“ zu tun.

Harry tauchte für Wochen unter. Das war das Ende der Beziehung zu Miriam. Kurz danach war Miriam in einer neuen Beziehung zu Ben. Fast ein Jahr dümpelt das Leben von Harry so vor sich hin, brav verkauft er Druckerpatronen und trauert Miriam nach, doch dann beginnt er ein neues Leben – ein Leben mit Facebook, ein Leben in dem er um Miriam kämpft, sie mit allen Mitteln dieses sozialen Netzwerkes aus den Klauen Bens zurückholen will.

Er meldet sich bei Facebook an, versucht dilettantisch, sich ein Netzwerk von Freunden darin aufzubauen, will damit Miriam imponieren. Mit den Versuche, seine immer noch anhaltende Liebe zu Miriam zu zeigen, macht er sich lächerlich, findet Feinde statt Freunde, belästigt seine Ex und deren Neuen. Harry lebt so intensiv in der virtuellen Welt und mit seiner Obsession, dass er seinen Job verliert, sich verbliebene reale Freunde von ihm abwenden. Schließlich wehrt sich  Nebenbuhler Ben gegen die Belästigungen Harrys, lässt ihn von zwei Schlägern verprügeln. Kurze Zeit später wird Ben tot in seinem Auto aufgefunden – ermordet. Harry gerät in Verdacht, der Mörder zu sein, verstrickt sich bei Verhören durch törichtes und für einen Mörder völlig unprofessionelles Verhalten mehr und mehr, und wird letztlich doch nicht als Mörder überführt. Da sich einer der Kommissare zudem noch in Harrys Mutter verknallt, ist die notwendige Konzentration des Ermittlers auch futsch. Wie es weiter geht, schreibt Christiane Geldmacher in Willkommen@daheim.

Love@Miriam beschreibt eine absurde Welt, in die sich Harry Weingarten aus Liebe zu Miriam begibt, eine Welt in der er sich scheinbar ohne Sinn und Verstand als Wandler zwischen Realität und Virtualität hin und her bewegt. Von der er nicht weiß, wann er sich in welchem Bereich aufhält. Ein Simplicius, der zum Schluss dabei ist, sein Ziel zu erreichen.

Beim Versuch, diesen Krimi in eine der vorhandenen Genre-Schubladen zu packen, kommt man der des Psychothrillers sehr nahe. Aber so richtig passt er nicht hinein: Bei allem Thrill, den Christiane Geldmacher hier aufbaut, es ist nicht nur das wechselnde Verständnis für Harry – mal drückt man ihm die Daumen, dass seine Rückholaktion gelingen möge, mal beschimpft man ihn als Idioten – es ist diese tapsige, unbedarft erscheinende Vorgehensweise Harrys, die Leser schmunzeln lässt und das Buch zu einem unkonventionellen Krimi macht.

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Willkommen@daheim

Er hat sie wieder! Harry ist wieder mit Miriam zusammen, wohnt jetzt im Rheingau auf einem alten Weingut, nicht nur mit ihr, sondern auch noch mit seiner Mutter und dessen neuen Freund – jenem Kommissar, dem es nicht gelang, Harry den Mord an Ben nachzuweisen (sh. Love@Miriam) Nun muss sich die WG mit einigen kriminellen Erscheinungen auseinandersetzen: Rebstöcke werden abgeschnitten und die Scheune, die Miriam als Antiquariat einrichten will, wird abgefackelt.

In dieser realen Welt hat Harry wieder einen Job, diesmal ist er als Eventmanager unterwegs, der Kommissar macht ein Sabbatical und alles erscheint – bis auf oben erwähnte Ereignisse – als„Friede, Freude, Eierkuchen“. Aber Harry wäre ja nicht Harry wie wir ihn kennengelernt haben, wenn er nicht wieder durch chaotisches Verhalten auffallen würde. Das Chaos erreicht den Höhepunkt, als Harry bei einem Ausflug, den er seiner Miriam verheimlicht, seinen Wanderkumpel verliert. Der stürzt im Elsass ab, bricht sich dabei das Genick. Statt den Unfall zu melden, gerät Harry nun wiederum in ungeheure Kalamitäten, und ein weiteres Mal in den Verdacht, am Tod eines Menschen aktiv beteiligt gewesen zu sein. Hinzu kommt, dass sich unser Held verfolgt fühlt- was er natürlich auch vertuscht. Und dann stirbt noch jemand. Derjenige, der Harry offensichtlich verfolgt hat. Harry, man mag es kaum glauben, war wieder in der Nähe des Unfallorts. Harry ein Todesengel? Oder doch zum Ende ein Glückspilz?

Die letzten Sätze des Buches: „Es wird alles gut……Ein Omen für eine bessere, hellere Zukunft. Weshalb fällt mir dann statt „Stairways to heaven“ nur „Highway to hell“ ein?“

Heaven oder Hell für Harry, das ist die Frage.

Zweimal feine, amüsante Unterhaltung im Krimiformat, geboten von Christiane Geldmacher

Love@Miriam ist 2012 erschienen, Willkommen@daheim 2016

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