Dominique Manotti: Schwarzes Gold

IMG_0602Das Geschäft mit Erdöl, dem schwarzen Gold, ist ein schmutziges Geschäft. Für Wenige ein ein sehr einträgliches, einige der Profiteure überleben dabei nicht.

Ein solches Szenario beschreibt Dominique Manotti in „Schwarzes Gold“ mit dem Protagonisten Michael Frickx, einem Rohstoffhändler, der zunächst abseits des Erdöls global für eine US-amerikanische Firma agiert. Als designierter Nachfolger seines Firmenbosses heiratet Fricks zunächst die Enkelin eines südafrikanischen Unternehmers, der zahlreiche Minen besitzt, aus denen wertvolle Bodenschätze gefördert werden. Das mutet zunächst wie eine Win-Win-Situation zur Arrondierung von Territorien und einer Ausweitung des jeweiligen Geschäfts an, analog den Kuppeleien europäischer Adelshäuser in den vergangenen Jahrhunderten.

Doch Michael Frickx hat ein anderes Ziel. Er erkennt, dass das Geschäft mit dem Erdöl neu verteilt werden wird. Statt der westlichen Ölkonzerne, bisher Ausbeuter und Profiteure nahöstlicher Ölquellen, streben die Länder an, die Gewinne aus dem schwarzen Gold zu ziehen, das auf ihrem Territorium lagert. Und was sich zunächst als kleines Geschäft neben dem der als sieben Schwestern bezeichneten Ölkonzerne entwickelt – illegal betrieben von Schmugglern und anderen Kriminellen –, wird schließlich im Jahre 1973 im Iran durch die Übernahme der vollständigen staatlichen Kontrolle über die Ölförderung zum legalen Geschäft für neue Player abseits der Ölkonzerne. Frickx will einer dieser Player werden.

In diesem Jahr, 1973, wird in Marseille der ehemalige Dogenschmuggler und zu der Zeit als ehrenwert angesehene Unternehmer Maxime Pieri auf offener Straße in Marseille erschossen, kurze Zeit später auch dessen wichtigster Mitarbeiter auf dem Flughafen in Nizza. Zeitgleich stirbt auch noch der Kapitän eines von Pieris Schiffen in Istanbul auf dubiose Weise.

Marseiller Polizeibosse deuten den Mord an Pieri als eine Abrechnung im Drogenmilieu, wollen die Akte möglichst schnell und ohne aufwändige Suche nach einem Mörder schließen.

Doch Kommissar Daqiun, neu in Marseille und nicht mit den örtlichen Netzwerken der Kriminellen vertraut, hat nichts anderes im Sinn, als die Motive für den ersten Mord und die weiteren zu finden.Dabei stößt er auf weniger ehrenwerte Geschäfte Pieris und dessen Verbindungen zu Frickx. Es ist Schmuggel in diversen „Produktbereichen“, sind seltsame Firmenkonstrukte mit Sitz auch in Steueroasen, auf die Daqiun mit seinen Mitarbeitern stößt. Schließlich auch auf das Geschäft mit dem Eröl abseits der zur der Zeit üblichen Strukturen.

Parallel dazu erleben wir Frickx, wie er aus den Anfängen seiner Aktivitäten im Erdödölhandel – und transport den Deal vorbereitet, der das kleine Geschäft aus der Grauzone einem legalen Milliardendeal boomen lassen soll.

In einem „Beschleunigten Verfahren“ sollen die Morde innerhalb von zwei Wochen aufgeklärt werden. Mehr erlauben die Justizbehörden den Ermittlern nicht, wohl wissend, dass die Mördersuche wegen der Komplexität der Angelegenheiten vermutlich nicht abgeschlossen werden kann, die Akte Pieri damit erledigt sein würde.

Dominique Manotti schildert hier in einem spannenden Plot, wie sich das Geschäft mit dem Öl in jener Zeit verändert hat.Was sie hier auf diese zwei Wochen im März fokussiert darstellt, ist eine kleine Facette bei der Neuverteilung des Milliardengeschäftes, in dem die ein Teil der alten Profiteure durch einige neue ersetzt wurden. Ein weniger schmutziges Geschäft ist es seitdem nicht geworden. Bei soviel Geschichte um „Schwarzes Gold“ kommt dennoch Commissaire Daquin nicht zu kurz. Er ist der Zeigefinger Manottis, der auf die obskuren Geschäfte sowie die politischen Machenschaften in diesem Umfeld hinweist und es ab und zu mit seinen Lovern mal zärtlich, mal heftig, mal vor und mal nach dem Essen treibt – und das ist gut so.

Fazit: Spannender und interessanter Krimi aus der Welt des „Schwarzen Goldes“ und der Arbeit und dem Leben des ungewöhnlichen Commissaires, geschrieben in der Sprache des Noirs, unverwechselbar und faszinierend von Dominique Manotti erzählt.

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Originaltitel: Or noir (Frankreich, 2015), dt. 2016 (Übersetzung: Iris Konopik)

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