Keigo Higashino: Ich habe ihn getötet

IMG_0578Drei Mal – von drei verschiedenen Personen – gibt es das Geständnis „Ich habe ihn getötet“. Ein Motiv hatte jede, den berühmten Drehbuchautor Makoto zu vergiften, auch die Möglichkeit. Aber ein gemeinsamer Mord war es nicht. Der Thriller, der so harmlos als „Whodunit“ daherkommt, kann ein Graus sein für Leser, die am Ende des Buches den Mörder präsentiert bekommen wollen, er ist grandios für Spürnasen, die selbst die Lösung finden möchten.

Dabei dürfen sie sich nicht auf die falsche Fährte locken lassen, müssen nicht den Weg vordergründiger Vorgehensweisen der Verdächtigen folgen. Und wenn man dann – wie ich – am Ende den letzten Satz von Kommissar Kaga liest: „Der Mörder sind sie“, und sich fragt, wer denn nun der oder die Angesprochene ist, dann wird nach ergebnisloser Überlegung zum letzten Mittel gegriffen: Dem Aufschlitzen der letzten sieben Seiten des Buches mit der „Anleitung zur Lösung“. Danach erfolgt das Blättern und Suchen nach der entscheidenden Stelle im Thriller.

Dabei fing alles so überschaubar an:

Am Tag vor seiner Hochzeit vergiftet sich die Ex-Freundin des Drehbuchautors in dessen Garten. Um einen Skandal zu vermeiden, lässt der Ex zusammen mit seinem Manager die Leiche verschwinden. Doch schon am nächsten Tag stirbt auch Makoto zu Beginn seiner Hochzeitsfeierlichkeiten. Er bricht auf dem Weg zur Trauungszeremonie zusammen, vergiftet wie die Ex-Freundin.

Aus der Sicht der drei, im Verlaufe des Romans Geständigen wird geschildert, wie ihr Verhältnis zu Makato ist/gewesen ist, was Motiv für die Tat hätte sein können. Der Bruder der Braut, der Manager von Makato und seine Lektorin, die die Brautleute miteinander bekannt gemacht hat, schildern, weshalb sie getötet haben und wie sie Zugriff auf die Pillen hatten, in denen sich das Gift offensichtlich befunden hat. Die Zahlenspielchen, wer, wann, wo wieviel von den Tabletten in den Händen gehalten und an wen weitergegeben hat, ist verwirrend und zwanghaft versucht man den richtigen Weg der falschen Pillen im Kopf zu verfolgen. Eine Superspürnase, wem das gelingt!

Einer, Kommissar Kaga, lässt sich nicht verwirren, geht unabhängig von diesem wirr erscheinenden Staffellauf von Pillen und deren Behältnissen den richtigen Weg.

Auch wenn es von großem Interesse ist, wer denn für den Mord an dem Unsymphat Makoto verantwortlich ist, er ist tot und gut ist’s. Er hat Frauen übel mitgespielt, eine davon war die Lektorin. Seine größten Erfolge erzielte er mit den adaptierten Ideen seines Managers. Heiraten wollte er lediglich, um das Leben seiner Zukünfigen zu verfilmen, die sich aus einem einfachen Bürojob kommend zu einer äußerst erfolgreichen Autorin entwickelt hatte. Die er aus egoistischen Motiven deren Bruder, der mit seiner Schwester ein glückliches Liebesleben führte, wegnehmen wollte.

Drei Motive, drei Möglichkeiten, den Chef, Autor bzw. Bräutigam der Schwester umzubringen, und nur ein Weg der Realisierung, bei der die Pillenzählerei völlig überflüssig ist.

„Ein Thriller der besonderen Art“ (FAZ), der in Japan angesiedelt ist, der von der Empathie derer getragen wird, die sich als Mörder bezeichnen – und es bis auf einen Ausnahme – gar nicht sind. Und dazu ein intelligenter Kommissar, der beobachtet und kombiniert bis er die Lösung hat, sie uns aber nicht verrät.

Ich habe ihn getötet, ein grandios geschriebener Roman.

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Originaltitel: Watashi ga kare wo koroshita (Japan, 2002), dt. 2016 (Übersetzung: Ursula Gräfe), mit einer Anleitung zur Detektivarbeit am Ende des Buches

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