Paul Mendelson: Die Unschuld stirbt, das Böse lebt

Mendelson, Paul….die Wahrheit, wie schmutzig auch immer“, die ist es, die den – weißen – Colonel Vaughn de Vries vom South African Police Service (SAPS) interessiert, die er zusammen mit seinem – farbigen – Warrant Officer Don February finden will, gegen die Anweisung von „Oben“. Denn „Oben“ möchte man den einfachen Weg gehen, der der Karriere nicht schadet. Den Weg, der von „Ganz oben“ befohlen wird. Das ist in einem Krimi oder Thriller nicht ungewöhnlich, hier jedoch schon. Im Südafrika nach Ende der Apartheid fehlt immer noch das Gleichgewicht in der Gesellschaft. So kommt es, dass die Weißen, de Vries und dessen direkter Vorgesetzter du Toit, zwar nichts von ihren Fähigkeiten eingebüßt haben, sie aber doch den neuen Herren im Wege sind.

De Vries hatte zusammen mit du Toit sieben Jahre zuvor nicht klären können, was mit den drei Jungen passiert ist, die innerhalb weniger Tage verschwanden. Nicht ein einziges Indiz tauchte über die Jahre auf, das einen Hinweis gab. Die Ohnmacht, den Fall nicht klären zu können, bereitete dem Colonel schlaflose Nächte. Nun, sieben Jahre später, werden zwei Leichen kürzlich ermordeter Jugendlicher gefunden, zwei der drei Verschwundenen. Spuren führen zu einem Gut, dessen Besitzer sich im Laufe der Ermittlungen in den Tod stürzt. De Vries findet den Tatort, an dem die Kinder gefangen gehalten, missbraucht und zwei von ihnen ermordet wurden. Er erkennt, dass es sich nicht um die Tat eines Einzelnen gehandelt haben kann, will weiter ermitteln. Für die „Oben“ und „Ganz oben“ – und „Ganz oben“ ist das Ministerium – ist der Schuldige mit dem Gutsbesitzer gefunden, der Fall abgeschlossen, da auch der dritte Junge tot gefunden wird.

Doch de Vries will „„….die Wahrheit, wie schmutzig auch immer.“ Mit nicht ganz legaler Hilfe eines ehemaligen britischen Geheimagenten erhält er Einblick in das Wirken des mutmaßlichen Drahtziehers und anderer Mitwirkender in diesem Fall. Und während de Vries mit seinem loyalen Don February weiter nach der Wahrheit sucht und ihm der Rausschmiss aus dem SAPS bevorsteht, wird ein weiterer Junge entführt. Einer, der altersmäßig den Kindern beim Verschwinden von vor sieben Jahren entspricht.

De Vries findet die Wahrheit über das Verbrechen und die Verbrecher, er wird aber auch mit der Wahrheit über die derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse im Staat konfrontiert. Im Polizeiapparat sollen jedenfalls die Weißen eliminiert werden, denn es gibt noch genug Farbige, die auf die Posten gehievt werden sollen.

Paul Mendelson übt die Kritik am neuen Rassismus, dem Gebaren inklusive Inkompetenz der Herren da „Oben“ in ruhigem, nahezu sachlichen Ton. Die Handlung, die das Vorgehen von de Vries, Don February und de Vries‘ Helfer im Hintergrund enthält, wird vom Autor nur in wenigen Sequenzen voller Action dargestellt. Vielmehr erzählt er auch diesen Part in einer recht nüchternen Sprache, niemals reißerisch und bewirkt, dass sich Leser auf das konzentrieren, was dem Autor offenbar wichtig ist: Die Darstellung skrupellose kriminelle Vorgehensweise Einzelner und der immer noch ungleichgewichtigen gesellschaftlichen Verhältnisse in ZA.

Exzellenter Thriller-Erstling von Paul Mendelson

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Originaltitel: First Rule of Survival (2014, UK), deutsch 2016 (Übersetzung: Jürgen Bürger), erschienen bei Rowohlt in der Reihe ROWOHLT POLARIS

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Eine Antwort zu Paul Mendelson: Die Unschuld stirbt, das Böse lebt

  1. ElaLettrice schreibt:

    Hört sich sehr spannend an. Hast mich neugierig gemacht.

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