Leckere Morde in „Grüne Soße mit Schuß“, 20 Krimis + 20 Rezepte aus Hessen (Hrsg. Anne Hassel/Ursula Schmid-Spreer)

20160412_134408Ich hab’s gelesen und das Buch dann vor meiner Frau versteckt. Sie soll es nicht sehen, sich keine Anregung holen, wie sie mich perfekt beseitigen kann. Nicht dass wir keine glückliche Ehe führen, aber man weiß nie, was noch kommt. Denn ich esse für mein Leben gern Tafelspitz mit Grüner Soße. Und  Grüne Soße kann es in sich haben!

Simone Jöst hat darüber geschrieben, wie man sie zubereiten kann oder sollte – im Falle eines Falles. Auf solche und auf andere Weise werden in dieser Anthologie Beziehungs- und Eheprobleme auf die eine oder andere Art gelöst, beendet. Das Gift des Blauen Eisenkrauts oder ein Auto können ebenfalls ein geeignetes Hilfsmittel sein.

Es gibt aber auch eine Geschichte, bei der sich im Kopf des Lesers etwas anderes abspielt, als das, was sich wirklich ereignet. In „Mörder unter sich“ stellt Anne Hassel so die Entwicklung zu einem eigenartigen Mord dar. Und ein Geschäftsreisender erinnert sich in „Ein Geschmack von Glück“ (Lilo Beil) an sein erstes Rendevouz. Es ging tödlich aus, wobei ein Bloatz zwar nicht der Todesbringer war, aber doch mit dem Ableben der Angebeteten in Zusammenhang steht.

Ja, der Bloatz, ein Armeleute-Essen in vergangener Zeit wie auch einige andere Gerichte, die als Rezept hier aufgeführt werden. Neben der Hausmannskost gibt es aber auch feine Rezepte, zum Beispiel Rieslingsuppe, ein Rezept von Fenna Williams und Paula Begtzon.

Und wer den hessischen Speckkuchen, Weckewerk, Versoffene Jungfer (ein Odenwälder Gericht aus dem 19. Jahrhundert), Spitzbuwe mit Specksoße, Schlumpeweck und Beulches nicht kennt, der kann darüber lesen und diese exotisch anmutenden Speisen nachkochen, -braten, -backen. Selbstverständlich fehlen nicht die Rezepte vom allseits bekannten Frankfurter Kranz und dem Spundekäs.

Die Kriminalgeschichten bieten ebenfalls einen Querschnitt – von Hausmannskost bis zum Schwarzen Humor. Eine interessante Mischung und in Abwandlung von Forest Gump sage ich: Das Buch ist wie Weckewerk, man weiß nie was man bekommt.

Wobei Marcus Imbsweiler mit dem Kurzkrimi „Lest mehr Krimis!“ eine treffende Empfehlung abgibt, die beherzigt werden sollte – nicht nur als Überlebensstrategie.

Dieses Taschenbuch stammt aus einer Reihe von Anthologien des Wellhöfer Verlags, in dem auch Morde/Rezepte aus dem Vogtland, Schwaben, Baden, Franken, Mecklenburg, Ostfriesland und vom Bodensee erschienen sind. Eine nettes Projekt mit zumeist in zweierlei Hinsicht köstlichen Inhalten.

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