Zu Besuch im Polizeipräsidium Westhessen

Es war der Tag, an dem in Brüssel Bomben explodierten, als ein Teil von Dostojewskis Erben zusammen mit dem derzeitigen Wiesbadener Krimistipendiaten Wolfgang Schorlau das Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden besuchten.

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Polizeipräsident Stefan Müller (links) vor interessierten Zuhörern

Polizeipräsident Stefan Müller fand Zeit, zwischen Besprechungen zur Sicherheitslage im Lande und der Reaktion der Polizei auf die Terroranschläge von Brüssel den Krimiliteraten einen Überblick über den Umfang und die Aufgaben des Polizeipräsidums Westhessens zu geben, und erklärte, dass die Polizei seit den Terroranschlägen im letzten Jahr durch höhere Präsenz in der Öffentlichkeit für mehr Sicherheit sorgt und das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung erhöht. Neben den Gefahren durch den internationalen Terror bereiten u.a. das Ansteigen der Einbruchsdelikte sowie der Rechtsextremismus Probleme für die Arbeit der Polizei.

Der PP – wie der Polizeipräsident im Polizeijargon genannt wird – leitet eines von sieben hessischen Polizeipräsidien. Das westhessische umfasst neben der Stadt Wiesbaden den Main-Taunus-Kreis, den Hochtaunus-Kreis, den Rheingau-Taunus-Kreis und den Kreis Limburg-Weilburg, dazu die Kriminaldirektion und diverse Abteilungen wie die Einsatzabteilung und die Verwaltung.

Das Telefon des PPs klingelte mehrfach, er wurde zur nächsten Besprechung gerufen. Gut von ihm informiert begann die Besuchergruppe einen Rundgang durch das Präsidium, dem ehemaligen amerikanischen Militärhospital.

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Dostojewskis Erben mit KOK Michaela Plock (links) und Wolfgang Schorlau (2. von rechts)

Neben den noch genutzten Gebäuden hat die Einsatzzentrale mit der Befehlsstelle ein neues Haus erhalten. Hier gehen die 110-Notrufe aus dem gesamten Zuständigkeitsbereich des Präsidiums ein. An Bildschirmen verfolgen Mitarbeiter*innen die Fälle, die sie bearbeiten. Kartenmaterial, Standorte von Polizeistreifen und viele weitere Informationen stehen so zur Verfügung, Vorgänge werden protokolliert. Über 400 Anrufe werden täglich innerhalb von 24 Stunden angenommen – an Wochenenden mehr – werden bearbeitet oder zur Bearbeitung an die Polizei vor Ort, Feuerwehr oder Rettungsdienst weitergegeben. Nebenan befindet sich die Befehlsstelle, ein Raum in dem schwierige Einsätze von einer Vielzahl kompetenter Kräfte aus unterschiedlichen, auch nicht zur Polizei gehörenden Bereichen koordiniert werden. Ist es eine „große Lage“, kann so ein Einsatz mehrere Tage rund um die Uhr dauern. Der Dienst erfolgt in 12-Stunden-Schichten. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn in diesem Raum 20 oder mehr Personen an der Lösung einer solchen Lage arbeiten. Im Jahr ereignen sich 20 bis 30 Vorfälle, die einen solchen Einsatz erfordern. Die Arbeitsplätze sind mit einem oder mehreren Bildschirmen ausgerüstet. Beamer, Leinwände und Riesenbildschirme an den Wänden ergänzen das Equipment.

Danach widmete sich die Gruppe der Spurensicherung. Die Erste Kriminalhauptkommissarin und Leiterin der Daktyloskopie, Katrin Lochner, berichtete uns von ihren Arbeiten zur Spurensicherung an Tatorten. 500 bis 1000 Fotos seien in manchen Fällen nötig, um einen Tatort genügend zu dokumentieren. Die Spurensuche sei teilweise schwierig und manche Methoden wie der Nachweis von DNA nicht immer erfolgreich. Kontamination sei häufig die Ursache bei einer mißlungenen Spurensicherung. Aus dem langjährigen Erfahrungsschatz der Ersten KHK erfuhren wir, wie einfallsreich die Suche nach Spuren zuweilen verläuft, damit Täter überführet werden  können. Bei der Besichtigung des Daktyloskopischen Labors erhielten wir einen Einblick in die modernen Methoden des Nachweises von Fingerabdrücken. Zwar wird auch noch verschiedentlich mit Rußpulver und Pinsel gearbeitet, inzwischen ist es aber weitgehend vom Ninhydrin-Verfahren abgelöst. Bei moderneren Verfahren werden sogar unterschiedliche Methode zum Nachweis auf saugenden Oberflächen wie Papier und nichtsaugenden Oberflächen genutzt.

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Daktyloskopischer Nachweis an einer Weinbrandflsche durch EKHK Katrin Lochner

Demnach kommt es beim Nachweis darauf an, ob sich der Fingerabdruck auf einer entwendeten Asbach-Flasche auf dem Glaskörper oder dem Papieretikett befindet.

Nach diesen vielfältigen und eindrucksvollen Informationen, von denen wir uns noch viel mehr hätten berichten lassen können, ging es dann in den Gewahrsam, den Zellentrakt des Hauses. Die Anzahl der Zellen in unterschiedlichen Größen war beeindruckend. 50 Räume, gut von außen verschließbar, innen rundum gefliest. Ein sehr sauberer Trakt und nicht im Geringsten mit üblen Düften behaftet (wie ich derartige „Einrichtungen“ in Erinnerung habe).

Mit vielen neuen Eindrücken und dem erweitertem Wissen über das wahrhaft Authentische der Polizeiarbeit verabschiedeten sich Wolfgang Schorlau und Dostojeweskis Erben aus dem Polizeipräsidium Westhessen.

Dem PP und allen seinen Kommissaren*innen mit unterschiedlicher Anzahl von Sternen auf den Amtsabzeichen sei an dieser Stelle herzlich Dank gesagt. Es war für uns alle ein äußerst interessanter Tag in ihrem Hause.

Dank auch an Alexander Pfeiffer, der diesen „Betriebsausflug der Krimiliteraten“ organisiert hat.

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Fotos mit freundlicher Genehmigung des Polizeipräsidiums Westhessen, Copyright Polizeipräsidium Westhessen.

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