Wenn es Nacht wird – Verbrechen in New York 1910-1920, Herausgeber Wilfried Kaute, mit einer Einführung von Joe Bausch

P1030148Faszinierend oder schockierend? Diese Frage ist zumeist die erste Reaktion, wenn ich über das Buch spreche.

Es beinhaltet nicht nur fast 200 schwarz-weiß Fotos aus dem New Yorker Polizeiarchiv, aufgenommen in den Jahren 1910 bis 1920 mit Abbildungen von getöteten Menschen, sondern auch vieles über die Arbeit und die Methoden der New Yorker Polizei in jener Zeit sowie von Verbrechen unterschiedlicher Arten – von Taschendiebstahl bis hin zu Totschlag und Mord. Tötungsdelikten wird dabei der größte Raum eingeräumt. Zwischen diesen Dokumenten und den dazugehörigen Beschreibungen der Taten sind Fotografien von Gebäuden und Leben als Zeitzeugen der aufstrebenden Stadt New York zu finden.

Keinesfalls ist diese Sammlung schockierend, weil das, was sie zeigt, ein einzigartiges Porträt von Big Apple darstellt. Gestritten werden kann, ob nun so viele Leichen per Foto dargestellt werden mussten. Andererseits ist fast jede dieser erschlagenen, erschossenen oder auf andere Weise zu Tode gekommenen Personen Ausgangspunkt zu einer Geschichte eines zumeist unglaublichen Verbrechens. Diese Geschichten waren damals in den Zeitungen der Stadt zu lesen. Teilweise sind sie im Text in deutscher Übersetzung abgedruckt, teilweise als Faksimile zu lesen.

Herausgegeben wurde das Buch von Wilfried Kaute, der kürzlich das Material an alten, auf Fotoplatten festgehaltenen Aufnahmen im wiederentdeckten Archiv der New Yorker Polizei durchstöbert hat. Die zeitgenössischen Textdokumente fand Kaute in der Library of Congress in Washington.

Joe Bausch hat dazu eine Einführung geschrieben über wahre Verbrechen und die Banalität des Sterbens. „Ein Buch, das alte, wahre Geschichten erzählt“, schreibt Bausch.

Das Ergebnis ist faszinierend. Die Fotos sind von erstaunlich guter Qualität, die zeitgenössischen Texte zeigen die Art der Berichterstattung in den Zeitungen zu einer Zeit, als sich die „Yellow Press“ bereits dank Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst bereits entwickelt hatte. Aus heutiger Sicht – und eingedenk der gegenwärtigen Boulevard Presse – ein noch weitgehend Fakten beschreibender Journalismus.

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Das Buch in der Ausstattung und dem Format eines Coffee Table Books (31×25 cm) ist erschienen im Emons Verlag (2015).

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