James Carlos Blake: Pistolero

20151005_132848Dies ist ein Roman über das Leben des John Wesley Hardin (1853-1895) aus Texas.

Die Fakten zum Leben dieses Revolverhelden, Kartenspielers und Bordellbesuchers kann auf wenigen Seiten nachgelesen werden auf einschlägigen Western-Homepages wie der von Manfred Schmetkamp.

James Carlos Blake schreibt diese Biographie in Pistolero als eine Mischung aus Fiktion und Fakten, von scheinbar und wohl auch anscheinend wahren Begebenheiten aus dem Leben von Wes Hardin. Blake lässt diese Geschichten 50 „Zeitzeugen“ schildern, die den Weg des Revolverhelden mal hier mal da begleitet oder ihn nur für einen kurzen Moment erlebt haben. Die 50 „Berichte“ sind weitgehend chronologisch zum Leben des Helden – oder des Teufels, je nach Sichtweise der Beteiligten oder Betroffenen – angeordnet und werden ergänzt durch Zeitungsartikel und kurze Abschnitte aus Hardins Autobiographie. Dabei zeigt Blake, wie sich der Weg Hardins mit anderen Helden der Szene jener Zeit, Wild Bill Hickock und Phil Coe zum Beispiel, gekreuzt haben könnte.

Von dem Moment als Hardin mit 13 Jahren seinen ersten Gegner per Revolver abgeknallt hat, ist er ein gesuchter Mörder, lebt teils versteckt bei Verwandten, teils auf der Flucht vor den Yankees, die gerade zuvor die Südstaaten mit der Konföderation vereinigt hatten – sehr zum Unmut der Südstaatler, zu denen James Hardin und seine Genossen gehören. Und so muss er denn auch ein paar von jenen „Blaubäuchen“ umlegen, mal sind es aber auch kriminelle Kartenspieler, die ihm seinen Gewinn auf unfeine Art abgenommen haben. Hardin zieht seinen Revolver schneller und stets ist er gerissener als seine Gegner. Über vierzig sollen einen Zwist mit ihm nicht überlebt haben, immer sollen die Schüsse jedoch in Notwehrsituationen abgegeben worden sein. Einige Male kann er sich der Verhaftung entziehen, irgendwann geht es schief. Er wird zu 25jähriger Zwangsarbeit verdonnert, aber nach über 16 Jahren begnadigt. Das alles erzählen die „Zeitzeugen“ – zumeist voller Ehrfurcht gegenüber Wes Hardin – bis hin zum Ereignis seines Todes. Er wird von hinten in den Kopf geschossen von John Selman, der sich wegen einer Beleidigung durch Hardins Sohn an dessen Vater rächen wollte.

Mit Pistolero hat James Carlos Blake einen deftigen Western geschrieben. Einen Roman, der begeistern kann, weil er alles das beinhaltet, was einen guten Western auszeichnet: Pulverdampf, anrüchige Atmosphären in Saloon und Bordellen, wenig ehrbare Bürger, jede Menge harter Typen, Leute wie Hardin – Cowboys, Gunfighters und Outlaws, trotzdem Volkshelden, die sich der korrupten Gewalt und Willkür der Herrschenden widersetzen und nach ihren eigenen moralischen Vorstellungen von Gerechtigkeit und Ehre leben. Ein Roman über einen „ganzen Kerl“ in einer trostlosen Gegend mit überwiegend erbärmlichen sozialen Strukturen – trotzdem faszinierend zu lesen, weil Blake ihn genial geschrieben hat.

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Originaltitel: The Pistoleer, USA 1995, dt. 2015 (Übersetzung: Peter Torberg)

 

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2 Antworten zu James Carlos Blake: Pistolero

  1. ottogang schreibt:

    Mal kein Krimi und sicher auch spannend. Das ist also ein Kerl, der hat garantiert Eier in der Hose, oder wie heißt das so treffend..

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