Sara Gran: Dope

P1020597Hat Josephine endlich einmal Glück?

Seit Jahren hat sie sich als Diebin und Prostituierte durchgeschlagen, war jahrelang auf Dope. Seit zwei Jahren ist sie clean, hält sich aber nur mühsam über Wasser. Hausiert in einer der miesesten Pensionen von New York City. Es ist das Jahr 1950.

Da bietet sich ihr das Paradies auf Erden! Ein betuchtes älteres Ehepaar verspricht ihr jede Menge Geld, wenn Josephine die verschwundene Tochter Nadine findet, die von der Uni in die Welt der Junkies abgedriftet ist.1.000 Dollar sofort, 1.000 Dollar, wenn sie den Eltern den Aufenthaltsort nennen kann. Diesem Angebot kann niemand widerstehen, der mal bei Tiffany einen Ring mitgehen lässt, um ihn dann für so gut wie nichts an einen Hehler zu verhökern, oder mal Touristen um ihre Brieftasche erleichtert. Zumal die Eltern der Verschwundenen Josephine mit ihren alten aber noch ausgeprägten Verbindungen zur Junkie-Szene für geeignet halten, den Auftrag erfolgreich auszuführen.

Josephine nimmt die „Ermittlungen“ auf und nimmt uns mit in das düstere New York jener Zeit, mit in die übelsten Spelunken und Tanzbars, in denen die abgefucktesten Prostituierten – alle an der Nadel hängend – und andere von Drogen zerstörte Elemente versuchen zu überleben oder zu sterben. Dabei bekommt Josephine wertvolle und nutzlose Informationen. Etliche führen sie auf fatale Irrwege und in Fallen. Schließlich erkennt sie, wer ihr geholfen und wer sie so fürchterlich gelinkt hat. Das ist keine gute Perspektive zum Überleben.

Dope wurde von Sara Gran etliche Jahre vor den beiden Claire DeWitt-Romanen ( Die Stadt der Toten und Das Ende der Welt) geschrieben, in denen sie die Privatdetektivin Claire DeWitt als ungewöhnliche Frau und Ermittlerin so genial charakterisiert hat. Die Josephine aus Dope erscheint wie eine Vorstufe zu Claire DeWitt, noch nicht so mit den Ecken, Kanten, der besonderen Lebensweise und der ungewöhnlichen Vorgehensweise. Aber der Ansatz ist bei Dope zu erkennen und da die Story in einem anderen Milieu zu anderer Zeit an einem anderen Ort spielt, ist dieser Roman genau so als glänzender Solitär zu bezeichnen wie das schriftstellerische Werk von Sara Gran im Vergleich zu anderen Autorinnen und Autoren.

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Originaltitel: Dope (USA 2006), dt. 2015 (Übersetzung: Eva Bonné)

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Eine Antwort zu Sara Gran: Dope

  1. Ruth M. Fuchs schreibt:

    Ich liebe Claire DeWitt. Da bin ich jetzt wirklich auch gespannt auf Josephine.

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