Nick Louth: Die Suche

20150823_141629Der Originaltitel: Bite.                          Und das ist es, worum es geht. Der Stich des Moskitos, der Malaria überträgt, um die Entwicklung eines Medikaments dagegen, besonders aber, wie von dem fiktiven Pharmakonzern Pharmstar verhindert wird, ein wirksames Arzneimittel zu testen und in den Markt einzuführen, denn:

Ich bin nicht interessiert an Krankheiten, die zehn Millionen Arme im Jahr töten. Befassen Sie sich mit etwas, was zehntausend Reiche umbringt.“

So fertigte der Boss von Pharmstar Cooperation den Forscher ab, der dieses wirksame Medikament vorstellte.

Einige Jahre später findet in Amsterdam ein Kongress der Parasitologie statt, auf dem die junge Forscherin, Erica Stroud-Jones, ihre Ergebnisse zur Malaria-Forschung vortragen und einen Weg zur Bekämpfung der Krankheit vorstellen will. Doch einen Tag vor diesem Vortrag verschwindet sie, ist unauffindbar. Ihr Freund Tom, der ebenfalls gerade nach Amsterdam gekommen ist, um eine Ausstellung seiner Skulpturen vorzubereiten, begibt sich auf die Suche nach ihr.

Während Tom zunächst nach den Gründen des Verschwindens sucht und davon ausgeht, dass die Freundin entführt wurde, treten in Amsterdam Fälle einer neuen, agressiven Form von Malaria auf, an denen der Boss von Pharmstar und andere Menschen sterben. Zunächst sind es die Passagiere eines bestimmten Flugs von New York nach Amsterdam. Und so wird anderen Malariaforschern vor Ort klar, dass mit dem Flug Moskitos bewusst eingeschleppt wurden, um eine Katastrophe auszulösen.

Neben der für Tom und seine Helfer äußerst gefährlichen Suche nach Erica erzählt Nick Louth über die Machenschaften der Forscher in der Pharmaindustrie, deren Neid untereinander, Eitelkeit, Wut und letztlich auch Rache. Und über die Ziele eines Teils dieser Industriesparte, die immer noch horrende Gewinne einfährt, weil sie weiß, womit das Geld fließt – und womit nicht. Ethische Gesichtspunkte spielen bei manchen dieser Firmen eine untergeordnete Rolle.

So gibt es neben der Suche durch Tom den Disput der Wissenschaftler und Mediziner um das Vorgehen sich abzeichnende Katastrophe. Dabei liegen die Wurzeln des großen Übels weiter zurück als das damalige Treffen des Pharmastar-Bosses mit dem Malaria-Forscher. Parallel zu den Handlungssträngen der Gegenwart wird in kleinen Einschüben Ericas Tagebuch aus dem Jahre 1992 in die Ereignisse von heute eingefügt. Erica war damals als Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation „Ärzte für Afrika“ in der Republik Kongo unterwegs, als sie mit anderen Weißen von Rebellen entführt, über Monate brutal behandelt. Um das Leben eines mitgefangenen Forschers zu retten, lässt sie sich schließlich vom Rebellenführer übel misshandeln und vergewaltigen.

Trotz dieser Themenfülle hat Nick Louth es geschickt verstanden, das Schicksal der Geiseln und die damalige politischen Machenschaften von Rebellengruppen in Schwarzafrika mit der Suche nach Erica und der Suche nach einer Lösung bei der Bekämpfung des Ausbruchs der Malaria in Amsterdam zu verknüpfen. Das alles vor dem Hintergrund verwerflicher Interessen dieses fiktiven Pharmakonzern und einiger Wissenschaftler.

Dass dann auf den letzten Seiten dieser Thriller nach einem sich über mehrere Stufen steigernden Showdown fast zu einem Cosy Crime mutiert, tut diesem Buch keinen Abbruch. Denn die 400 Seiten sind vollgepackt mit aufregendem Geschehen, bestens erzählt von Nick Louth. Die Suche ein Thriller-Highlight des Jahres.

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In einem Nachwort führt Louth auf, wem er die Kenntnisse über Malaria und Moskitos zu verdanken hat. Es ist offensichtlich eine sorgfältige und ausführliche Recherche gewesen. Ebenso schildert der Autor das Gebaren einiger Player der Pharmaindustrie, stellt aber in diesem Nachwort auch fest, dass es nicht das allgemein übliche Verhalten dieser Industrie ist – führt positive Beispiele an. Vermisst habe ich im Nachwort eine Angabe, wie Louth zu den „Tagebuchaufzeichnungen“ gekommen ist. Kaum ein Leser dieses Thrillers kann sich vermutlich vorstellen, was Geiseln erleben, wenn sie in einer derartigen Situation wie „Erica“ befinden, gleichwohl liest sich das Tagebuch, als wäre es authentisch.

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Originaltitel: Bite (UK 2007), dt.2015 (Übersetzung: Peter Friedrich)

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2 Antworten zu Nick Louth: Die Suche

  1. karu02 schreibt:

    Danke für den Hinweis auf dieses Buch. Das werde ich sofort bestellen, da mich das Thema besonders interessiert. Eine Kollegin meiner Tochter hat ihre Dissertation über das Thema Malaria-Bekämpfung geschrieben. Das las sich auch schon beinahe wie ein Krimi.

  2. Pingback: Beachtenswerte Krimi-Debüts 2015 | KrimiLese

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