Robert Brack schreibt als Virginia Doyle: Die schwarze Schlange

Brack_SchwarzeSchlange-230x364Innerhalb weniger Tage werden auf St.Pauli zwei ermordete Personen gefunden. Ein Chinese und ein Deutscher. Beide tragen die gleiche Tätowierung: eine schwarze Schlange.

Dieser dritte Fall, in dem Kommissar Heinrich Hansen auf St. Pauli, speziell der Reeperbahn ermittelt, spielt 1941, in einer Zeit als Hamburg und die Reeperbahn bereits den 2. Weltkrieg und besonders das Naziregime zu spüren bekommt.

Lange vorbei ist die Zeit, in der sich die Reeperbahn vom biederen Handwerker- und berüchtigten Matrosenrevier in das leicht anrüchige Vergnügungsviertel verwandelt hat (Band 1 der Trilogie: Die rote Katze), vorbei auch die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, zu der auf der Reeperbahn glamouröser, ausgelassener Trubel herrschte (Band 2: Der gestreifte Affe). Immer natürlich verbunden mit den Aktivitäten der Halbseidenen aus dem kriminellen Milieu der Umgebung, vor allem aber mit Platz für Kleinkriminelle jeglicher Couleur. Auch jenen Zeiten gab es Morde auf der Reeperbahn. Heinrich Hansen ermittelte und klärte in seiner ruhigen hanseatischen Art auf.

So war Hansen inzwischen die Karriereleiter emporgeklettert und zu Beginn des 2. Weltkrieges Revierleiter der Davidwache. Doch die Verhältnisse haben sich geändert. Die Lichter auf St-Pauli sind ausgegangen. Wegen der Bomberangriffe herrscht Verdunklungszwang, amerikanische Tänze sind verboten, wer sich widersetzt, muss mit dem Schlimmsten rechnen, denn neben der Polizei reißt die Gestapo die Ordnungsgewalt an sich, die Hitlerjugend mischt kräftig mit bei der Unterstützung, „Moral und Ordnung“ aufrecht zu erhalten. Der wackere Hansen dagegen, immer noch ohne dem richtigen Parteibuch in der Tasche, wird degradiert. In das Büro des Leiters der Davidwache zieht ein linientreuer NSDAP-Mann ein.

Nun muss Hansen wieder raus. Er ermittelt, was es mit den Toten auf sich hat, was die schwarze Schlange bedeutet. Dabei ist das Interesse des Polizeiapparats am Tod des Chinesen im Chinesenviertel gering, der Tod des jungen Deutschen mysteriös. Der Vater des Ermordeten ist ein angesehener Unternehmer und hoher Funktion in der Partei. Hansen weiß nicht, wem er bei den Ermittlungen in die Quere kommt. Es gibt Vertuschungsversuche, die Gestapo mischt mit. Er fühlt sich auf falsche Fährten gelockt und vor den Karren höherer Kräfte gespannt, dann sogar zum Abschuss freigegeben.

Im Chinesenviertel trifft er auf Schweigen und verirrt sich im unterirdischen Labyrinth des Kiezes, gerät in große Gefahr. Dabei trifft er auf einige alte Freunde und Bekannte aus Kindheitstagen, auf welcher Seite sie aber stehen, bleibt Heinrich Hansen lange Zeit verborgen.

Der meist geradlinige Hansen versteht die Welt, sein St.Pauli nicht mehr, ist des Polizeidienstes überdrüssig. Da kommt es zum Showdown. Hansen hilft denen, die vom Regime verfolgt werden, dabei entgeht er nur knapp dem Tod. Doch nach diesem turbulenten Schlussakt kehrt wieder Ruhe ein in Heinrich Hansens Leben – aber es ist ein anderes.

Mit dem Fall der schwarzen Schlange beendet Robert Brack die St.Pauli-Trilogie. Sie zeigt das Leben von Heinrich Hansen, einem Kind St.Paulis, wie er mit Freunden, den „Kaperfahrern“, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist und nach mehreren Jahren auf See seinen Dienst als Polizist der Davidwache antritt, das Leben als Ordnungshüter während sich Ermittlungsmethoden und -techniken ändern. Brack beschreibt die Entwicklung des Hamburger Vergnügungsviertels auch am Beispiel des Aufstiegs und Falls von Hansens alten Spielkameraden bis zum zwischenzeitlichen Ende durch die Einwirkungen Naziungeist und Bombenhagel.

Fiktion mit gut recherchierter Darstellung der Historie des Kiezes im Umfeld der Davidwache.

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Ursprünglich wurde der Roman unter Bracks Pseudonym Virginia Doyle 2006 bei Heyne veröffentlicht. Seit 2015 ist er auch als E-Book erhältlich (Midnight/Ullstein)

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