James Lee Burke: Sturm über New Orleans

P1020115Es liest sich wie ein Klischee wahllos an das nächste gereiht, bis man erkennt: so kann es gewesen sein. Eine Gang junger Schwarzer vergewaltigt ein weißes Mädchen, Weiße schießen auf schwarze Plünderer. Ein Priester wird aus seinem Boot gekippt – von Schwarzen – und ertrinkt. Und es geht auch um Blutdiamanten, die aus dem Haus eines bedeutenden Gangsters während der Plünderungen verschwinden, nachdem der Hurrikan Katrina Verwüstung über New Orleans gebracht hat.

Das Leben in New Orleans ist zu der Zeit des Hurrikans und danach in völliges Chaos versunken, große Teile der Stadt sind verwüstet, unter Wasser. Hilfe von Regierungsseite nicht in Sicht. Es herrscht das Gesetz der Stärkeren. Plünderungen, Jagd von weißen Bürgerwehrlern auf Schwarze gehören zur Normalitätin jenen Tagen.

In dieser Situation gibt es eine Handvoll wackerer Typen um den Polizisten Dave Robicheaux, die alles das klären sollen: Vergewaltiger finden, Leute stellen, die Selbstjustiz üben, Ruhe in das Geschäft um das Verschwinden der Diamanten reinbringen. Unterstützt wird Robicheaux nicht nur von den wenigen funktionierenden Fragmenten des Polizeiapparates sondern besonders von seinem versoffenen aber gewieften Freund Pete Purcel, einem Privatdetektiv.

Dieses komplexe Szenario wird überwiegend von Robicheaux erzählt, der mit seiner Familie selbst in den Strudel dieser Verbrechen gerät. Wie er sich darin verhält, mit großer Sensibilität mit „Freund und Feind“ umgeht, um größere Schäden an den Stellen zu verhindern, an denen schon alles Menschliche und Materielle zerstört zu sein scheint, schildert Burke eindrucksvoll und feinfühlig. Und er schildert die Hilflosigkeit und Verbitterung der Menschen, die durch Katrina ihre Werte verloren haben – moralische wie materielle – und die Verärgerung über das Versagen der Regierung, die nichts unternommen hat, eine derartige Katastrophe zu vermeiden und – als sie eingetreten ist – alles dafür zu tun, die Not der Überlebenden zu lindern.

Erfreulich, dass dieser Roman im deutschen Buchmarkt aufgetaucht ist. Er hebt sich auf drastische aber dadurch wohltuende Weise ab von den Schöne-Landschaft-Szenarien vieler, im mediterranen Raum unter azurblauem Himmel angesiedelten Werken.

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Originaltitel: The Tin Roof Blowdown (USA 2007), dt.2015 (Übersetzung: Georg Schmidt)

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Eine Antwort zu James Lee Burke: Sturm über New Orleans

  1. karu02 schreibt:

    Das kommt auf meine Liste, ich habe über dieses Thema noch gar nichts gelesen bisher.

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