Axel Petermann: Der Profiler – Ein Spezialist für ungeklärte Morde berichtet

20150803_143129Es gibt wohl keinen Kriminalisten, dem deutsche Kriminalautorinnen und – autoren häufiger am Ende ihres Krimis für dessen Beratung danken als Axel Petermann. Der Profiler – seit Oktober 2014 im Ruhestand – war neben seinem Job als Ermittler bei unnatürlichen Todesfällen auch als Berater bei Fernsehkrimis sowie auf Fortbildungsveranstaltungen für Fachleute und Interessierte tätig, parlierte über seine Arbeit im Radio, schrieb Bücher über die Aufklärung von Morden, insbesondere durch Operative Fallanalyse (OFA).

In seinem neuesten Buch „Der Profiler“ berichtet Petermann besonders über den nicht aufgeklärten, grausamen Mord an einer jungen Auszubildenden, der bereits 20 Jahre zurückliegt. Der Profiler hat diesen Fall übernommen, nachdem er in Ruhestand gegangen ist. Diesen und andere Fälle will er nun „pro bono“ (zum Wohle der Öffentlichkeit – und auch zum Wohle der Hinterbliebenen) lösen.

In einem Vorwort stellt er zunächst die Frage: „Wie viele Mörder sind unter uns?“, erklärt, dass zwar 90% der bekannt gewordenen unnatürlichen Todesfälle aufgeklärt werden. Nicht immer wird dabei jedoch der tatsächliche Täter gefasst und verurteilt, zudem gebe es eine unbekannte Dunkelziffer nicht erkannter Tode durch Fremdeinwirkung. Petermann hat aber auch das Schicksal der Hinterbliebenen im Blick, die an der Ungewissheit, wer und warum einen Angehörigen getötet hat, oftmals zu zerbrechen drohen.

In dem ersten Fall in diesem Buch, jenem grausamen Mord an der knapp 20jährigen Heike Rimbach, beginnt der Autor seine Geschichte zunächst recht sentimental, als er sich mit der weinenden Mutter am Grab der ermordeten Tochter trifft. Doch dann findet er schnell den roten Faden, erläutert, was er aus Protokollen, von den Eltern und anderen Personen, die damals in den Fall involviert waren oder Heike kannten, erfährt und wie er mittels der OFA dazu beitragen will, den Fall doch noch zu lösen. Er verweist dabei auch auf fehlerhafte Ermittlungen und Versäumnisse der damaligen Ermittler. Auf der Basis der vorhandenen Fakten stellt der Profiler Überlegungen an, die wesentlich umfassender sind als die alten Ermittlungen. Familie, Umfeld, andere vergleichbare Taten in fließen wesentlich stärker und differenzierter in seine Gedanken und Überlegungen ein. Im Mittelpunkt steht aber Petermann als Profiler selbst. Jemand, der „sein Licht nicht unter den Scheffel“ stellt, oder wie Polizeikollegen gesagt haben sollen „ein verschrobener Narzisst“. „Ein Querdenker“, wie er auch bezeichnet wird, charakterisiert Petermann meines Erachtens besser. Im Kapitel „Heike Rimbach – das Grauen auf dem Dachboden“, zeigt er sich als begeisterter Anhänger und Verfechter der OFA, deren Methode er erfolgreich anzuwenden weiß.

Die anderen Fälle, die Axel Petermann in diesem Buch beschreibt, stammen noch aus seiner aktiven Zeit bei der Bremer Polizei, geben auch nicht so viel Stoff her, um die komplexe Arbeit eines Profilers zu beschreiben. Zudem ist der Fall des jungen Knastbruders, der angibt, man habe ihm die Fußnägel ausgerissen, recht trivial. Und ob das nun die Aufgabe eines Profilers ist, dabei für Aufklärung zu sorgen, das sei dahin gestellt. Hier trifft Petermanns Leitspruch von seiner Homepage „Life is stranger than fiction“ wohl nicht zu, aber das ist die Ausnahme in diesem Buch.

Für Leser, die sich für Berichte über wahre Verbrechen begeistern und an deren Aufklärung durch die Operative Fallanalyse sowiean den Methoden der OFA interessiert sind, ist dieses Buch sowohl ein unterhaltsame als auch eine lehrreiche Lektüre.

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Eine Antwort zu Axel Petermann: Der Profiler – Ein Spezialist für ungeklärte Morde berichtet

  1. Nora schreibt:

    Um das Buch schleiche ich auch schon länger rum 😉

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