Dominique Manotti: Abpfiff

P1020248Dass ein Fußballverein kein Ponyhof ist, wissen wir seit Langem. Dass gedopte Spieler dabei zuweilen die unbedeutendste Rolle im Sumpf von Korruption, Geldwäsche und Drogen- und Menschenhandel verbunden mit Machtgier und Narzissmus spielen, ist ebenfalls nicht unbekannt.

Wenn ein Drogenfahnder und eine junge Frau auf offener Straße durch eine Salve niedergemäht werden und Spuren in den Sumpf führen, dann rumort es mächtig in der scheinbar fantastischen Welt des Fußballs. Der Schütze der Schüsse ist schnell überführt, aber damit beginnt erst die wahre Aufklärung des Falles mit der Suche nach dem Auftraggeber und den Hintergründen.

Dieses „Spiel“ beschreibt Dominique Manotti in knappen Sätzen ohne Umschweife, eindrucksvoll.

Lässt Commissaire Daquin ermitteln, der getroffen ist von der Ermordung des Kollegen Romero, sich verbeißt in den dicken Stricken des Netzwerks. Dabei muss er zunächst davon ausgehen, dass Drogenfahnder Romero in undurchsichtige Geschäfte verwickelt war. Doch schnell richten sich die Ermittlungen in Richtung des Fußballclubs FC Lisle-sur-Seine mit dessen gedopten Spielern und einem zwielichtigen Vorsitzenden, der zugleich erfolgreicher Bauunternehmer und Bürgermeister des Ortes ist – der Lichtgestalt der Gegend, selbsternannter Heilsbringer für die Jugendlichen der dazugehörigen Banlieue.

Während sich Daquin im Privatleben zunächst sexuell an seinem Freund austobt, seinen Frust dabei rauspresst, findet er im Dienst den richtigen Weg zu den Männern, die bisher den Weg zu ihren Zielen mit hoher krimineller Energie und auch über Leichen erfolgreich gegangen sind. Dabei agiert der Commissaire nicht zimperlich sondern seinem Klientel angemessen.

Bis zum Abpfiff erzählt Dominique Manotti diese lange Geschichte kompakt auf 230 Seiten. Es ist kein Tiki-Taka, dass hier geboten wird. Es ist vielmehr ein Steilpassspiel, dass die Autorin Daquin und dessen Mannschaft gegen Gegner spielen lässt, die sich für unbesiegbar halten, beim Abpfiff das Spielfeld jedoch als Verlierer verlassen.

Dominique Manotti ist längst – im Gegensatz zum FC Lisle-sur-Seine – in der Champions League (der Kriminalautorinnen und -autoren) angekommen, sie spielt dort eine großartige Rolle.

Empfehlung: Unbedingt lesen!

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Originaltitel: Kop (Frankreich 1998,2001), dt 2015 (Übersetzung Andrea Stephani)

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3 Antworten zu Dominique Manotti: Abpfiff

  1. karu02 schreibt:

    Danke für den Hinweis. Ich hatte wieder nicht mitgekriegt, dass es ein neues Buch von ihr gibt. Die Qualität scheint ja nicht nachzulassen.

  2. ottogang schreibt:

    Fußball als krimineller Hintergrund. In Buchform nicht sehr häufig anzutreffen, eher schon in der Realität oder wie ist das mit dem Sepp ?
    Da hat die Autorin aber schon weit voraus geschaut (1998/2001)

    • Philipp Elph schreibt:

      Der „Skandal“ in Abpfiff spielt sich im Verborgenen ab, hat nicht ganz die sepp-ige Dimension, ist aber von großer literarischer Qualität.

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