Pralinenmorde – Auf den Inhalt kommt es an

Trüffel-Praline

Trüffel-Praline

Erschießen, Abstechen, Erwürgen, das sind die „profanen“ Mordmethoden. Ein Gift mit großer Sorgfalt in Pralinen zu platzieren und dann dem Opfer auf die eine oder andere Art zum genüßlichen, aber tödlichen Verzehr zu präsentieren, das hat dagegen schon was.

Ab und zu fließt diese Art des Mordens in Krimis ein – meist von Autorinnen erzählt, von Frauen ausgeführt. Kürzlich stieß ich zwei Mal auf Pralinen, die mit giftigen Pflanzenteilen versetzt wurden und den Tod brachten. Bevor ich jedoch die beiden „Fälle“ schildere, in denen Fenna Williams und Viveca Sten in ihren Krimis Derartiges herstellen und verzehren ließen, hier zunächst eine wahre Begebenheit, die bekannt geworden ist als „Pralinenmord von Worms“.

Strukturformel von E 605

Strukturformel von E 605

In den Jahren 1952 und 1953 „verlor“ Christa Lehmann ihren Mann und dessen Vater. Ärzte stellten beim einen als Todesursache den Durchbruch eines Magengeschwürs fest, beim anderen Tod durch Herzversagen. Ein Jahr später starb eine Freundin von ihr, nachdem die einen Schokoladenpilz mit Likörfüllung teilweise gegessen hatte, den Christa Lehmann mitgebracht hatte. Die Freundin starb nach dem „Genuss“, der Hund, der den Rest der Praline gefressen hatte, ebenfalls. Die Leiche der Frau wurde in Mainz gerichtsmedizinisch untersucht. Dabei wurde das Pflanzenschutzmittel E 605 im Mageninhalt gefunden. Es war der erste Fall, bei dem dieses Gift in einem Mordfall nachgewiesen wurde. Darauf hin wurde die Leichen des Mannes und des Schwiegervaters exhumiert und auch bei denen wurde E 605 entdeckt.

Schnell wurde das Gift „Wormser Gift“ getauft, die Mörderin legte ein Geständnis ab und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. E 605 wurde in der Folge als beliebtes „Modegift“ eingesetzt, zur Tötung und Selbsttötung.

Barbadosnuss

Barbadosnuss

Bei Fenna Williams erleben wir in ihrem Kurzkrimi Dreimal Barbados*, wie Anne für ihren Ex Malte liebevoll und trotzdem hasserfüllt einige Trüffeln herstellt, mit mandelförmigen Barbadosnüssen, die auch als Schwarzbrechnüsse bekannt sind. Per Boten schick Anne die Trüffeln in einem feinen Schmuckkästchen als Weihnachtsgeschenk an den miesen Ex und der genießt das Geschenk….. In Samuel Hahnemanns Apotherkerlexikon, das ab 1793 erschien, steht zur Wirkung dieser Nussart: Nicht selten hat der innere Gebrauch dieser Samen in Substanz unter heftigem Erbrechen und Purgiren, Sinkender Kräfte und Konvulsionen den Tod zuwege gebracht.

Nun denn, Vorhaben gelungen!

Paternostererbse

Paternostererbse

Im neuesten Krimi von Viveca Sten Tod in stiller Nacht werden ebenfalls Pralinen verschenkt – und zwar ebenfalls wie im Fall bei Fenna Williams am heiligen Abend. Hier ist es das Gift Abrin der Paternostererbse, auch -bohne genannt, das tödlich wirkt. Das Gemeine daran ist: Es kann Tage dauern, bis der Tod eintritt und die glänzenden Erbsen sehen schön aus. Das schöne Aussehen, Glanz und Härte des Samens hat dazu geführt, dass die Erbsen zu Rosenkränzen und andere Gebetsketten aufgezogen wurden, häufig auch zu Armbändern. Im Nachwort zu ihrem Roman schreibt Viveca Sten, dass sie sich durch zwei Ereignisse zu dieser Mordmethode inspirieren lassen hat. Im Jahre 2009 sei es in Cornwall zu einem Skandal gekommen, nachdem entdeckt wurde, dass „Tausende von Armbändern mit giftigen Paternosterbohnen verkauft worden waren.“ Und Anfang der Neunziger Jahre hätte in Malmö ein sogenannter Pralinenmord tatsächlich stattgefunden.

Was nun im Krimi wirklich geschah, wird hier nicht verraten. Nur soviel: Die Pralinen wurden mit Erfolg eingesetzt.

Sicherlich gibt es in der Realität wie im Krimi mehr derartige oder ähnliche Pralinenmorde.

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* Der Kurzkrimi Dreimal barbados von Fenna Williams erschien in der Anthologie Tödliche Türchen – 24 Weihnachtskrimis aus Hessen (Herausgeberinnen Fenna Williams und Angelika Schulz-Parthu)

Es gibt natürlich viel mehr Giftmorde durch andere Darreichungsformen, wobei der Tod des Sokrates im Jahr 399 vor Christus bekanntlich kein Mord sondern die Vollstreckung eines Urteils war. Aber das ist eine andere Geschichte.

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