Tilman Spreckelsen: Das Nordseegrab

P1020596Dieser „Theodor-Storm-Krimi“ – so der Untertitel – erzählt viel aus dem Leben des jungen Advokaten und zeichnet ein anschauliches Bild vom Leben in der Stadt Husum im Jahre 1843. Nebenbei geht es auch noch um die Aufklärung eines alten Verbrechens.

Tilman Spreckelsen hat dazu ausgiebig und sorgfältig recherchiert und sogar einen authentischen Fall gefunden, in dem Storm als Verteidiger agierte, der hier in die Handlung eingearbeitet wurde.

Theodor Storm finden wir in der Rolle des Ermittlers. Dessen Vorgehen in einem fiktiven Fall wird von Storms Schreiber Peter Söt berichtet.

Peter Söt wurde von jemand zunächst Unbekanntem zu Theodor Storm geschickt, um dort als Schreiber des Anwalts zu arbeiten. Bereits kurz nach dem Eintreffen Söts in Husum begleitet der Schreiber den neuen Arbeitgeber, als dieser in ein Lagerhaus seines Vaters gerufen wird. Dort ragt aus einem mit Blut gefüllten Bottich ein menschliches Bein heraus. Die „Leiche“ entpuppt sich jedoch als lebensgroße Wachsfigur, die allerdings das Gesicht von Storm Senior trägt. Die Kehle ist durchschnitten.

Neben diesem Fund ereignen sich in der Folge noch einige mysteriöse Vorfälle, aus denen hervorgeht, dass das Leben von Theodor Storms Vater sowie anderer „Pfeffersäcke“ gefährdet ist. Und es bleibt nicht bei Warnungen, einer aus dem „Netzwerk“ wird ermordet, ein anderer hat sich bereits erhängt. Die Gefahr für die restlichen Konsorten wächst. Das alles in einer Zeit, zu der Theodor seine Hauptbeschäftigung mehr in der Vorbereitung eines Konzerts des von ihm kürzlich gegründeten Chores sieht. Doch aus einem scheinbar unwichtigen Verteidigungsfall ergeben sich für Storm und Söt neue Erkenntnisse, die in Zusammenhang mit den Drohungen gegen Storm Vater und dessen Genossen stehen – ein Vorfall, der sich Jahre zuvor auf hoher See ereignet hat.

Immer wieder im Focus des Geschehens steht Peter Söt, der von einem ominösen Auftraggeber geführt wird, Spielball einer dunklen Macht zu sein scheint. Und so ist vieles düster in dieser Geschichte. Spreckelsen bedient sich dabei zeitweise aus dem Werk Storms. So erzählt er von einem Pfingstausflug, den er aus „Immensee“ herausgelöst hat und nahezu identisch nur mit anderem Personal ablaufen läßt. Die Geschichte des Weißen Albs, die Storm seinem Schreiber in einer Szene im Moor erzählt, ist in Storms Novelle „Draußen im Heidedorf“ zu finden. Andere im Krimi beschriebene Personen haben nachweislich in Storms Umfeld existiert.

Neben so viel aus dem Leben Storms und der Schilderung Husums und dessen Umgebung kommt das, was einen Krimi ausmacht, insbesondere die Spannung, ein wenig zu kurz. Zwar geht es um Gier und daraus resultierendes verbrecherisches Verhalten, um Betrug und darum, dass keine Reue gezeigt wird. Auf der anderen Seite geht es um Rache, die bis zum Mord praktiziert wird.

Zurück bleiben anschauliche Bilder aus dem Leben Theodor Storms vor der Kulisse Husums und deren Bevölkerung im Jahre 1843 als Statisten sowie eine düstere Geschichte um ein Schiffsunglück in der Nordsee, erzählt vom Schreiber Peter Söt, der voller Geheimnisse steckt – und Tilman Spreckelsen als Autor.

Für Leser, die nicht ausschließlich darauf erpicht sind, einen spannenden Kriminalfall vorgelegt zu bekommen, die sich an diesem „Sittengemälde“ aus der kleinen norddeutschen Küstenstadt und ihrem bekanntesten Bürger erfreuen können, ohne dabei unbedingt ein Verehrer von Theodor Storms schriftstellerischem Werk sein zu müssen.

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Erschienen als FISCHER Taschenbuch, 2015

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Eine Antwort zu Tilman Spreckelsen: Das Nordseegrab

  1. richensa schreibt:

    Habe den Krimi gestern in Husum in einer kleinen Buchhandlung gesehen und noch gezögert… hmm.. muss ich wohl doch noch „shoppen“ gehen 😉

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