Tilman Spreckelsen liest aus seinem Theordor-Storm-Krimi „Das Nordseegrab“ und erzählt vom Husumer Dichter

P1020596Das Nordseegrab ist der erste Kriminalroman von Tilman Spreckelsen, Redakteur der FAZ Sonntagszeitung, jedoch nicht sein erstes Buch, das er schrieb. Zudem ist der Autor Kenner des Werkes von Theodor Storm und dessen Leben.

Mit der Lesung aus diesem Krimi ist Theodor Storm, den ich wie die meisten von uns als Erzähler und Dichter von Pole Poppenspäler und Der Schimmelreiter aus der Schulzeit kenne, wieder in mein Leben eingetreten. Dank Tilman Spreckelsen, denn Theodor Storm ist die Hauptperson in diesem Krimi, der im Jahre 1843 in und um Husum angesiedelt ist.

Und so beginnt Speckelsen die Lesung damit, dass der Schreiber Söt, ein undurchsichtiger Typ, einen Job beim jungen Anwalt Theodor Storm bekommt. Schon wenige Stunden später wird Storm zu einer falschen Leiche in einem mit Blut gefüllten Bottich gerufen. Es handelt sich zum Glück um eine Puppe aus Wachs, die die Gesichtszüge von Theodor Storms Vater trägt.

Es ist ein düstere Geschichte, die Spreckelsen vorliest. Zwischendurch schaut er immer wieder auf die Zuhörer als wolle er sich vergewissern, dass alle seinen Worten folgen. Sie folgen gebannt! Irgendwann legt der Autor das Buch hin und erzählt vom jungen Storm, der an der Juristerei nur wenig interessiert ist, als Anwalt aber auf den einen oder anderen Verbrecher trifft und in seinem Werk höchst unsympathische Charaktere darstellt. Einen solchen miesen Typen schildert Storm in der Novelle Immensee. Spreckelsen liest die Szene aus Immensee vor, schlägt dann wieder sein Buch auf, liest und zeigt wie er sie fast wörtlich in seinen Krimi übernommen hat. Es ist höchst erstaunlich, wie sich diese Passage nahtlos in in die Handlung einfügt.

Später antwortet der Autor auf meine Frage, ob er denn auch andere Szenen aus Storms Werk in den Krimi eingearbeitet habe, dass die Sage vom Weiße Alb, die Storm in der nahezu unbekannten Erzählung Draußen im Heidedorf erwähnt, im Krimi zu finden sei. Als Storm zusammen mit Söt in einen Ort unweit von Husum kommt, um einige Nachforschungen anzustellen, werden sie in die Irre geleitet, kommen fast um im Moor – und es scheint so, als sei der Weiße Alb zugegen. Auch diese Szene erscheint düster und gruselig.

Keine leichte Aufgabe für das „Ermittlerpaar“, der wahren Sache auf den Grund zu kommen. Tilman Spreckelsen verrät nichts weiter. Auf dem Cover des Buches ist etwas von einem Schiffsunglück zu lesen, das keines war, von einer echten Leiche und von Wut, Schweigen und einer alten Schuld..

Spreckelsen erklärt seinen Zuhörern, dass man kein Kenner Theodor Storms Werk und Leben sein muss, um Gefallen am Buch finden zu können. Die Szenerie mit Husum und dessen Gassen, dem Nebel und den zumeist wortkargen Küstenbewohnern und ihren Geheimnissen, das erregt Neugier auf das Buch, das mit historischen Details der Zeit und Storms Leben und speziell jenem des Jahres 1834 gespickt ist.

Diese Lesung war der gelungene Abschluss des diesjährigen Niedernhausener Krimifrühlings, veranstaltet von der Buchhandlung Sommer, Niedernhausen, im Zentrum Alte Kirche mit einem Krimiautor, der uns zurückgeführt hat in die Zeit vor 170 Jahren. Das ist ihm sehr gut gelungen, einen Anstoß zu geben, seinen Krimi Das Nordseegrab zu lesen, aber auch mal wieder mit Theodor Storm und seinem Werk zu beschäftigen.

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Die Journalistin Anne Bilke berichtete im Wiesbadener Kurier ebenfalls von dieser Lesung: Hier

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