Roger Smith: Leichtes Opfer

„Du machst dein eigenes Gesetz. Bringst in Ordnung, was in Ordnung gebracht werden muss, klar?“

P1020238Diese Regel gilt nicht nur in Südafrikas Verbrecherkreisen, bei den Numbers Gangs. Sie gilt auch in der feinen Gesellschaft. Wird angewendet von der stinkreichen Immobilienmaklerin Beverly Lane, als sie sieht, dass ihr eigener Sohn eine junge Frau nach einem missglückten One-Night-Stand mit der Hantel erschlägt. Schnell wird der Hergang geringfügig modifiziert, damit der drogenabhängigen Sohn der Haushälterin als Täter überführt werden kann. Ehemann Michael, ein Mann mit relativ höherer Moral (kann auch als Weichei bezeichnet werden) muss mitmachen, hat Skrupel. Letztlich passt er sich aber zunächst der Auffassung seiner Frau an, nachdem der Junkie sowieso sein Leben verwirkt hat und alles getan werden muss, dem eigenen verzogenen Sprössling, einem durch Steroide gesteuerten Widerling, eine Profikarriere als Rugbyspieler zu ermöglichen.

Es ist die Geschichte von Michael Lane, der in seinem Antiquariat einer wenig einträglichen Beschäftigung nachgeht und am Geldtropf seiner Frau hängt. Der sich aus dieser Abhängigkeit lösen möchte, zunächst aber zu schwach ist. Michael, der den Kindern seiner Haushälterin eine gute Schule ermöglicht hat, Louise gar ein Studium finanziert, der jene Kinder auf großartige Weise gefördert hat. Nun, bei Lyndall, dem Jungen, hat das nicht geklappt. Und Lyndall wird dann auch gleich nach der Verhaftung im Knast von einer Gang ermordet und ausgeweidet.

Damit ist der Mord im Hause Lane für die Polizei erledigt. Aber es ist nicht das Ende der Geschichte. Letztlich werden die Täter zu Opfern. Und alle verlieren – entweder das Leben oder das, was ihnen lieb ist.

Es ist auch eine Geschichte der gesellschaftlichen Gegensätze von Arm und Reich, Weiß und Schwarz, von Gewalt zwischen diesen Antagonisten, aber auch innerhalb der kriminellen Gesellschaft. Roger Smith beschreibt das alles in ruhigen und ergreifender Weise. Nicht so brutal und mit geballter Action wie wir es von Deon Meyer oder Mike Nicol kennen, sondern präzise und mit großer Sensibilität. Vermutlich bewegt dieses Drama deshalb, kommt das Tragische der Intrigen und Verwicklungen besonders drastisch zur Geltung.

Wenn Louise am Schluss des Romans endlich die volle Aufmerksamkeit Michael Lanes erlangt, nach der sie sich ihr ganzes Leben sehnte, erscheint das als eine Metapher für das immer noch nicht erfüllte Streben von Schwarz/Arm nach Anerkennung durch Weiß/Reich. Eine bewegende Geschichte aus dem heutigen Südafrika.

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Orginaltitel: Sacrifices, erschienen 2013 (Südafrika), dt. 2015 (Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)

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2 Antworten zu Roger Smith: Leichtes Opfer

  1. karu02 schreibt:

    Oh, dann scheint Roger Smith nun den sensilbelen Weg eingeschlagen zu haben. Ich wollte ihn eigentlich nicht mehr lesen, weil er so viel Brutalität beschrieb. Das beschriebene Buch werde ich auf meine Leseliste setzen. Danke fürs Vor-lesen.

  2. Philipp Elph schreibt:

    Liebe Karu,
    bisher hatte ich noch nichts von Roger Smith gelesen. Verglichen mit dem, was von Mike Nicol und Deon Meyer in den letzten Jahren zu lesen war, erscheint es mir jedenfalls gemäßigter.

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