John Banville alias Benjamin Black: Die Blonde mit den schwarzen Augen – Ein Philip-Marlowe-Roman

P1020216Ist es nicht vermessen, mehr als 50 Jahre nach dem Tod eines der anerkanntesten Autoren von Hardboiled Novels Raymond Chandler das Werk dieses prägenden Vertreters des Genres mit einem weiteren Philip-Marlowe-Roman fortzusetzen?

Nötig ist es nicht! Jedenfalls nicht für Leser, die Chandlers sieben Romane  der Philip-Marlowe-Reihe schätzen. Gelungen ist es allerdings.

Nach zwei recht erfolglosen Versuchen von Robert B. Parker, aus einem Fragment einen interessanten Roman zu gestalten (Einsame Klasse) sowie eine Fortsetzung von Der große Schlaf zu schreiben (Erschienen in Deutschland mit dem Titel Tote träumen nicht) hat die Erbengemeinschaft Chandlers, die Raymond Chandler Limited, die vor einigen Jahren John Banville autorisiert, das Leben des Philip Marlowes fortzusetzen.

Die Blonde mit den schwarzen Auge ist ein Titel, den Chandler in einer Liste zu schreibender Romane hinterlassen hat. Der mit diversen Auszeichnungen als Autor von kriminalromanen dekorierte Banville – bekannter unter seinem Pseudonym Benjamin Black – führt darin die Geschichte Marlowe in dessen gewohnter Umgebung weiter und ordnet sie in einer Zeit zwischen 1954 und 1961 ein (Elizabeth II. ist bereits gekrönt, Gary Cooper lebt noch). Auch das begleitende Personal hat sich nicht wesentlich geändert. Mit von der Partie sind die Polizisten Joe Green und Bernie Ohls. Und Bernie erkennt:

“Immer noch derselbe Klugscheißer, was, Marlowe?“ Zudem genießt Marlowe noch immer Gimlets und Blondinen.

In diesem Fall trägt sie den Namen Clare Cavendish und ist Spross eines erfolgreichen Parfum-Imperiums. Von dieser Blonden mit den schwarzen Augen erhält unser hält den Auftrag jemanden zu suchen, der einerseits kurz zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sein soll, andererseits aber quicklebendig durch San Francisco gelaufen sein soll. Dort hat ihn Clare ihren Ex-Geliebten angeblich gesehen.

Ein eigenartiger Fall. Und Marlowe, misstrauisch wie er ist, erkennt:

„Das ist ein Riesenschlamassel von einem Fall.“ So muss sich der coole, oft geprügelte Hund Marlowe durch erhebliche Widrigkeiten kämpfen, wie bei Chandler. So liest sich Banville dann auch wie Chandler. Der Ton ist „gut adaptiert“. Und Marlowe ein alter Tropf, zunächst reingefallen auf das Blond und die schwarzen Augen, am Ende ohne Lohn aber mit jeder Menge Zugewinn an Erfahrung.

Der „neue Marlowe“ ist auch für einen alten Chandler-Fan – wie ich das seit 1974 bin – ein Genuss! Darauf einen Gimlet!

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Originaltitel: The Black-Eyed Blonde, 2014, dt.2015 (Übersetzung Kristian Lutze)

Links:

Raymond Chandler

Philip Marlowe

John Banville alias Banjamin Black

Gimlet

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