Ben Atkins: Stadt der Ertrinkenden

P1020111November 1932. In den USA existiert ein Verbot für die Herstellung, den Transport und  Handel von Alkohol. Es ist die Zeit der Prohibition. Es ist aber auch die Zeit des illegalen Handelns und des Schmuggels der begehrten Ware. In Bars und auf feinen Partys hochrangiger Politiker wird Alkohol in jeder Form genossen und die besten Tropfen werden von Fontana und dessen Geschäftspartner Luca in großem Umfang importiert und distribuiert.

Die Gefahr bei derartigen illegalen Geschäften ist, dass andere daran partizipieren möchten. Nicht nur der Don, der schützend über den beiden Geschäftsleuten wacht und kassiert. Auch andere möchten vom illegalen Geschäft profitieren. Polizisten erhalten Geld oder ein Deputat, andere versuchen, durch krumme Touren ein Stück vom Hochprozentigen abzubekommen.

Mit einem Wort: Fontana & Luca werden gelinkt, ein Teil der Ware und des Profits versickert in anderen Kanälen.

Eine Nacht im November 1932. Fontana, gerade aus Übersee zurückgekommen, entdeckt den Schwund und versucht in einer Nacht, die Drahtzieher des illegalen Geschäfts mit dem illegalen Geschäft ausfindig zu machen. Dabei stößt er auf eigenartige Typen. Dubiose Geschäftspartner sowie scheinheilige, scheinbar ehrenwerte hochrangige Politiker jeglicher Couleur. Es wird gelogen, betrogen und mit dem Tode gedroht. Fontana stellt Freundschaften in Frage, erhält Unterstützung für sein Vorhaben von zunächst unbekannter Seite.

Es ist ein übler Ritt durch die Nacht, mit dem Ben Atkins die Zeit der Prohibition in Amerika beschreibt. Und er schreibt das überwiegend wie ein Alter. Mit einer Lebenserfahrung, die dem zwanzigjährigen Atkins nicht zuzutrauen ist. Gut, phasenweise lesen sich die historischen Passagen wie ein gut recherchierter braver Aufsatz eines Abiturienten, oftmals plätschert die Handlung mäßig spannend dahin.

Denn Fontana ist ein Krimineller mit guten Sitten und Moral. Das ergibt keinen fulminanten Spannungsbogen, läßt kein dramatisches Showdown erwarten. Fontana versucht, das illegale Geschäft „sauber“ zu betreiben, das bedeutet für ihn, ohne Waffe. Er scheint mit allen Wassern gewaschen zu sein, wirkt dennoch naiv, indem er denkt, alle Auseinandersetzungen mit seinen Widersachern seien ohne eine Schusswaffe zu regeln. Dass es aber auch bis zu einem gewissen Punkt ohne Kanone möglich ist, im kriminellen Milieu zu bestehen, zeigt Ben Atkins hier. Ob es aber zu Überleben ausreicht, bezweifeln Fontanas Gegner.

Fontana redet nicht viel – und so will ich es denn auch kurz machen: „Stadt der Ertrinkenden“ ist der großartige Kriminalroman eines jungen Autors. Eines Autors, der – wie ein junger guter Wein – noch ein wenig reifen muss, um in die Liga der ganz Großen aufzusteigen.

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Dem Polar-Verlag mit Wolfgang Franßen an der Spitze ist es auch mit diesem Kriminalroman wieder gelungen, gute Kriminalliteratur zu publizieren.

Andere Werke aus dem jungen Verlag, die ich bereits mit Begeisterung gelesen habe:

Gene Kerrigan: Die Wut

Ray Banks: Dead Money

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Original: Drowing City, erschienen 2014, Neuseeland, dt. 2015 (Übersetzung : Laudan & Szelinski), Polar-Verlag

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