Dennis Lehane: The Drop – Bargeld

P1020128Das Leben ist kein Ponyhof“, zeichnete und schrieb bereits Sarah Burrini. Das Leben unter Bostons Gangstern auch nicht. So schildert es Dennis Lehane in The Drop Bargeld. Cousin Marv hat die Kneipe, die noch immer seinen Namen trägt vor vielen Jahren an eine Gruppe tschetschenischer Krimineller verloren, die das Etablissement nun gelegentlich als Bargelddepot für ihre Einnahmen aus Drogendealen und Prostitution nutzen. Als illegales Wettbüro dient das Cousin Marv zudem. Der leibhaftige Cousin Marv fungiert noch als Geschäftsführer und Bob arbeitet als Barkeeper und unterstützt die sonstigen Geschäfte.

Lehane erzählt hier die Geschichte vom netten Bob, der früher mit Marv in einer Gang war. Aber die Jungs waren zu weich und das Geschäft wurde ihnen weggeschnappt. Aus der Traum von der großen Gangsterkarriere. Bob geht nun regelmäßig in die Kirche, rettet einen kleinen Welpen vor dem Tod, lernt Nadja kennen, verliebt sich. Es scheint als könne Bob bisher vermisstes Glück finden.

Aber die Verhältnisse lassen es nicht zu. Da wird die Kneipe überfallen, die Tageseinnahmen mitgenommen. Der Ober-Tschetsche ist sauer auf seine beiden Mitarbeiter. Dann kommt noch jemand daher, der Besitzansprüche nicht nur an dem Welpen, sondern auch an Nadja anmeldet.

Eine unschöne Situation für Bob, der dann auch noch Dienst hat, als das Cousin Marv am Super-Bowl-Samstag zum Drop auserkoren wird. Als es so weit ist, hat sich Marv verpisst. Und es kommt, wie es kommen muss: Irgendwer hat spitz bekommen, dass die Gelder aus den speziellen Geschäften in horrender Menge in der Kneipe gesammelt und bis zum gefahrlosen Abtransport deponiert werden.

Und dieser „Irgendwer“ steht dann vor Bob, um es sich abzuholen. Aber Bob, der doch nicht immer der nette Bob war, weiß sich zu wehren.

Ein feines Gangsterdrama, mit dem großen Paten, einem der ihn linken will und Bob, der aufpassen muss, nicht in die Schusslinie zu geraten und dabei noch den Kampf für sein persönliches Glück gewinnen will.

Einerseits beschreibt Dennis Lehane die knallharte Gangsterwelt, von der man beim Lesen meint, sie könnte wirklich so sein, andererseits erzählt er in bewegender Weise, die sichtbaren Schwächen und verborgenen Stärken des vermeintlichen Underdogs Bob. Und manchmal endet eine Geschichte anders als man denkt, oder wie Dehane im letzten Satz des Krimis formuliert: Man kann das Leben nicht kontrollieren.

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Originaltitel: The Drop (USA 2014), dt. Übersetzung von Steffen Jacobs, erschienen 2014 bei Diogenes

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2 Antworten zu Dennis Lehane: The Drop – Bargeld

  1. Zeilenkino schreibt:

    Bei „The Drop“ muss ich noch einmal nachdrücklich auf den sehr guten Film von Michael Roskam hinweisen, ohnehin einer der besten Kriminalfilme des letzten Jahres.

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