Olaf Jahnke: Tod eines Revisors

P1020010Zunächst ist es ein Krimi ohne Ecken und Kanten. Klar, da wird der Privatschnüffler zusammengeschlagen und in der Notwehrsituation fällt der russische Schläger vors Auto, wird vom nächsten überrollt. Sonst aber geht vieles zu schlicht ab. Ein Satz wie: „Wir trennten uns unter Bezeugung unserer körperlichen Zuneigung nur sehr langsam“ zeigt wenig Dynamik. Und so geht es über weite Strecken des Buches mit druckreifen, durchgestylten Dialogen und oberflächlich wirkenden Charakterisierungen.

Aber dann….!

So gegen Mitte des Buches zündet Olaf Jahnke den Turbo. Sein Ich-Erzähler, der Privatdetektiv, wird merklich wacher und agiler, gerät dabei von einem Unglück ins nächste, kotzt sogar. Letzteres ist das kleinste Übel. Und das alles nur, um einer alten Liebschaft nachzuweisen, dass deren smarter Gatte und Banker nicht in Selbstmordabsichten mit einer Überdosis Pharmaka zu Tode gekommen ist. Wobei dieser unnatürliche Todesfall nur die Spitze eines Eisbergs ist, den der Privatdetektiv nahezu nach Art der Titanic rammt. Unterstützung holt sich der Ex-BKA’ler von Bekannten, die noch immer im Polizeidienst versauern und von einer feschen Journalistin, eben der, von der er sich nicht nur beim Verabschieden unter Bezeugung der körperlichen Zuneigung nur sehr langsam trennt, sondern mit der er auch in die Kiste hüpft.

Auch wenn die Story um den Tod des Bankers in feinsten Banker- und nobelsten Kreisen der Hochtaunusgesellschaft angesiedelt ist, ist es noch längst kein Wirtschaftskrimi, wie der Verlag das Subgenre dieses Werkes auf dem Cover klassifiziert hat. Mögen darin beschriebene Verbrechen auch in Zusammenhang mit milliardenschwerem Betrug stehen, Erpressung und Vertuschung sind die Verbrechen, die diesem Krimi den Stempel aufdrücken.

Olaf Jahnke hat mit seinem Krimidebut gezeigt, was wir alle wissen: So gesittet, wie sie es uns immer durch ihre adrette Kleidung zeigen wollen, geht es in gehobenen Bankerkreisen nicht zu. Das mag zwar klischeehaft wirken, wer sich jedoch mit dem illustren Völkchen der feinen Pinkel beschäftigt hat, wird zustimmen: Es gibt sie, die karrieregeilen Typen, die vor fast nichts zurückschrecken. So liefert Olaf Jahnke eine Milieubeschreibung, die sicherlich auf einen kleinen Kreis der „White collar“-Träger zutreffend ist.

Über die gesamte Story gesehen – einem schwachen Beginn folgt der spannende, Aktions geladene 2.Teil -, ein gelungener Einstand des Quereinsteiger-Autors in der Welt des Kriminalromans. Und zudem erfährt Leser/Leserin noch wie das damals zu Wendezeiten mit dem Transferrubelbetrug lief. Haben Sie’s gewußt?

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Erschienen im fhl-Verlag, 2014

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3 Antworten zu Olaf Jahnke: Tod eines Revisors

  1. zeilentiger schreibt:

    Er kotzt sogar! 😀

  2. meikesbuntewelt schreibt:

    Darüber musste ich auch lachen 🙂

  3. Pingback: Olaf Jahnke: Patientenrache | KrimiLese

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