James M. Cain: Wenn der Postmann zweimal klingelt

Es gibt immer eine zweite Chance! Das ist so ungefähr die Bedeutung des Titels, der im Original The Postman Always Rings Twice lautet. Und einige „zweite Chancen“ ergeben sich in dem Buch für den Rumtreiber und Gelegenheitsarbeiter Frank Chambers.

IMG_5210Wenn der Postmann zweimal klingelt wurde 1990 zum besten Krimi aller Zeiten im deutschsprachigen Raum gekürt. Die Jury bestand aus echten Kennern der Krimiszene: Autoren, Kritikern, Lektoren, Buchhändlern und dem Bochumer Krimi Archiv. Nachzulesen ist diese Adelung zum Besten der Besten auf einer Seite „Die 119 besten Kriminalromane aller Zeiten“.

Es ist die wechselhafte Geschichte von Zuversicht und Niederlage des unsteten Gelegenheitsarbeiters Frank Chamber, der irgendwo in einer Taverne an einem kalifornischen Highway auftaucht. Der griechische Wirt überredet den Rumtreiber, bei ihm zu bleiben und an der dazugehörigen Tankstelle zu jobben. Die Entscheidung zu bleiben trifft Chambers, als er die Frau des Griechen sieht, die die Küche führt und die Gäste bedient. Er verknallt sich in die Frau seines neuen Chef, beginnt eine Affäre mit ihr. Gemeinsam beschließen sie, den Griechen umzubringen. Der erste Versuch geht schief. Aber nach dem Motto „The Postman Always Rings Twice“ suchen sie eine zweite Chance. Sie nutzen sie, aber nicht alles läuft gut.

James Mallahan Cain erzählt diese Geschichte aus der Sicht des Frank Chambers. Die Story spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise (Great Depression), in der sich der Held durch Gelegenheitsarbeiten und gelegentliches Glücksspiel durch Leben schlägt. Mal hier mal da, meist auf Achse. Bis er die attraktive Cora trifft. Beide streben nach Glück – Cora ohne ihren fettigen griechischen Gatten, Chambers mit einer Frau an seiner Seite.

Logische Konsequenz: Ein perfekter Mord und anschließend die Heirat. Leichter geplant als durchgeführt, doch schließlich klappt es. Und der gewiefte Staatsanwalt, der im ungewöhnlichen Todesfall ermittelt, kann den beiden nichts nachweisen, denn er trifft auf einen Verteidiger, der noch gewiefter ist. Diese Verteidigungstaktik ist für mich ein wesentlicher Höhepunkt des Romans, denn Katz, so heißt der Verteidiger, agiert bei seiner „Beweisführung“ mit ähnlichen Methoden wie einst Sherlock Holmes. Nur, dass er auf der anderen Seite des Gesetzes steht. Was zunächst ins Glück für die beiden Überlebenden des sogenannten Unfalls läuft, endet dann aber doch nach einem unvorhersehbaren Zwischenfall ganz anders. James M. Cain lässt Frank Chambers die Geschichte bis zum Ende erzählen. Es ist ein bitteres Ende.

Es ist die Geschichte von Chancen, die genutzt werden, und an dessen Ende es doch keinen strahlenden Helden gibt. Am Ende angelangt, erkennt ein Krimifan wie ich: Er ist einer der besten Kriminalromane, die ich je gelesen habe.

James M. Cain gilt als einer der Schöpfer des „Krimi-Noir“. Wenn der Postmann zweimal klingelt ist sicherlich ein treffliches Beispiel für einen solchen Krimnialroman.

Die Originalausgebe „The Postman Always Rings Twice“ ist 1934 erschienen. Unter dem Titel „Die Rechnung ohne den Wirt“ erschien das Buch 1950 in der Übersetzung von Hilde Spiel und Peter de Mendelssohn bei rororo, 1981 dann bei Heyne in der Reihe „Blaue Krimis“ als „Wenn der Postmann zweimal klingelt“. Bekannt wurde der Roman in Deutschland insbesondere durch die gleichnamige Verfilmung mit Jack Nicholson als Frank Chambers.

Inzwischen ist eine neue Übersetzung des Romans beim Festa Verlag erschienen, die aber genau wie alle älteren Ausgaben vergriffen ist.

Vielleicht kommt irgendein Verlag in nächster Zeit auf die Idee, diesen „Besten Krimi aller Zeiten“ neu zu verlegen – möglichst in einer aktuellen Übersetzung. Nach rororo, Heyne und Festa verdient der Roman eine vierte Chance, in Deutschland veröffentlicht zu werden.

—————————————————————————————————

Links zum Autor und zur Verfilmung

—————————————————————————————————–

Eine Bitte: Falls jemand im Besitz der Ausgabe des Festa-Verlags ist, würde ich mich freuen, mir das Buch für ein paar Wochen ausleihen zu dürfen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu James M. Cain: Wenn der Postmann zweimal klingelt

  1. Der Schneemann schreibt:

    Ohne Frage ein tolles Buch, für mich aber mitnichten der beste Krimi aller Zeiten. Für mich ist Cain die Vorstufe zu Thompson, er setzt sich zwar mit dem kriminellen Verstand auseinander, aber ihm fehlt die letzte Konsequenz, alles mal so richtig mit Pauken und Trompeten vor die Hunde gehen zu lassen. Er ist mir für die Art von Büchern die er schreibt, die sich ja primär mit dem kriminellen Verstand beschäftigen, noch zu sehr Optimist. Aber wie gesagt, das ist eine Kleinigkeit, mehr wie ein Nachgeschmack.

    • Philipp Elph schreibt:

      Ich stimme dir zu. DER beste Krimi aller Zeiten ist er auch für mich nicht. Die Vielfalt der Kriminalliteratur bedeutet für mich auch, dass ich nicht an irgendeiner Ecke des „Genres“ ein Buch rauspicken kann, das ich zum besten küre.

  2. nomadenseele schreibt:

    Ich habe das Buch nun hier liegen, wahrscheinlich lese ich es jetzt.

  3. saetzebirgit schreibt:

    Das Buch kenne ich nicht, allerdings die Verfilmung mit Jack Nicholson und die Version mit Lana Turner (ein richtig guter film noir): http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Netz_der_Leidenschaften.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s