Hans J. Muth: Tränen der Rache

P1020002Von einer interessanten Konstellation von Kriminellen verschiedener Couleur in Rom (schwarz, pseudo-schwarz bis violett) erzählt Hans J. Muth. In zwei Prologen schildert er, worum es vordergründig zu gehen scheint: Da gibt es einen Mann, der sich ein Werkzeug schmiedet, um Personen, die ungesühnte Verbrechen begangen haben, im wahrsten Sinne des Wortes zu brandmarken. Daneben ist die Rede von einer sich im Geheimen treffenden Gemeinschaft, deren „Meister“ die Mitglieder zur Verschwiegenheit auffordert.

Was verschwiegen werden soll, bleibt zunächst im Dunkeln. Ungeklärt ist auch, was das Zeichen auf der Brust eines Mordopfers bedeutet, das nach einem Hochwasser im Geäst eines Baumes am Tiberufer gefunden wird. Der oftmals mürrische, letztlich aber trotz diverser Unachtsamkeiten erfolgreiche Commissario Capo Sparacio sucht nach der Identität des Toten und nach einem Motiv für den Mord. Es geschehen weitere Morde an gebrandmarkten Personen, alle waren ältere katholische Geistliche. Ein Killer geht um. Selbstbeauftragt oder handelt er auf Anweisung? Zudem verschwindet ein kleiner Junge. Sparacio kombiniert, nimmt die richtige Fährte auf. Das alles geschieht an den Tagen als die Kardinäle nach dem Rücktritt Benedikts XVI. zur Wahl eines neuen Papstes zusammenkommen. So haben höchste Kreise im Vatikan kein Interesse, dass die Morde ins Visier der Öffentlichkeit und der Medien geraten. Vertuschung ist das oberste Ziel im Kirchenstaat.

Wie schnell ersichtlich ist, wird hier eine Geschichte vom Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche erzählt. Mit welchen Mitteln vertuscht wird, ist neben dem Rächen, Morden und Ermitteln das prägende Thema dieses Thrillers. Und das eigentliche Motiv der Vertuschung in dieser Fiktion ist unterschiedlich von denen, die wir in den letzten Jahren in der Realität zur Kenntnis genommen haben – oder ist es doch nicht so realitätsfern?

Jedenfalls wird dieser Fall spannend dargestellt. Und so gerät auch die für einen Thriller recht distinguierte Sprache mit den zuweilen überpräzisen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten sowie einige Ausführungen wie aus einem Lexikon für Kriminologen – z.B. die Beschreibung der Wasserleiche – in den Hintergrund.

Hans J. Muth schildert ein Szenario, von dem ich angenommen hatte, dass bereits alles darüber geschrieben wurde. Aber es ist eine andere Geschichte, höchst interessant dargeboten.

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Erschienen: 2014

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Eine Antwort zu Hans J. Muth: Tränen der Rache

  1. karu02 schreibt:

    Wie verschweigen funktioniert, hat mich schon immer interessiert. Der Mensch ist ja nun mal redselig. Wenn Neid und Missgunst hinzukommen, sollte es doch immer undichte Stellen geben. Vielleicht gibt das Buch Aufschluss.

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