Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti küsst im Schlaf

Endlich küsst er mal, Commissario Pavarotti!

P1010835Nachdem der welsche Commissario beim letzten Einsatz im Südtiroler Meran nicht den richtigen Ton im Umgang mit den dortigen Deutschstämmigen traf und von der deutschen Lissie inoffiziell bei seinen Mordermittlungen unterstützt wurde, ist Pavarotti nun in Meran nahezu heimisch geworden.

Als jedoch ein Mord in einer psychiatrischen Privatklinik passiert, wäre er froh, wenn Lissie, die inzwischen wieder in Frankfurt weilt, ihn mit ihrem psychologischen Geschick und kommunikativen Fähigkeiten unterstützen könnte. Und so holt Pavarotti sein Pendant unter fadenscheinigem Vorwand nach Meran. Dort stürzt sich Lissie sofort wieder in die Arbeit, auf die Personen im Umfeld der Klinik und des ermordeten Schiffsingenieurs sowie fast in ihren eigenen Tod.

Sie wuselt auf einem Kreuzfahrtschiff herum, begibt sich in ambulante Behandlung in der „Todesklinik“ und wirbelt in der Vergangenheit der Beteiligten herum.

Derweil ermittelt Pavarotti auf seine spröde Art. Dabei sieht es fast so aus, als stünde sich das ungleiche Paar oftmals im Wege, ihr persönliches Verhältnis ist nach wie vor von Missverständnissen geprägt. Auf der zwischenmenschlichen Ebene knarzt es erheblich.

Vieles, was den Mord des Schiffsingenieurs und weitere damit zusammenhängende Mordfällen betrifft, hängt mit bestimmten Ereignissen in der Vergangenheit zusammen, insbesondere mit bestimmten politischen Ereignissen des letzten Jahrhunderts wie die Unterbringung psychisch sehr Kranker in Italien und speziell dem Leben der Südtiroler nach dem Anschluss ihrer deutschsprachigen Heimat an Italien nach Ende des 1. Weltkriegs.

Elisabeth Florin beschreibt ausführlich die Auswirkungen der 1978 vom italienischen Parlament verabschiedeten Psychiatrie-Reform, die zur Abschaffung der staatlichen psychiatrischen Kliniken (vulgo: Irrenhäuser) mit deren teilweise menschenunwürdigen Zuständen führte, andererseits aber auch zu Überlastung bei Familien, deren kranke Mitglieder nun zu Hause lebten – und von „Maßnahmen“ zur Entlastung dieser Familien.

Zum anderen stellt sie die Option für deutschsprachige Südtiroler gemäß dem Hitler-Mussolini-Abkommen aus dem Jahr 1939, ins deutsche Reich überzusiedeln, dar – und die Folgen für Rückkehrer aus dem Reich nach dessen kriegsbedingten Untergang ab dem Jahr 1948. Zwischen den Rückkehrern und den „Dableibern“ kam es zu erheblichen Konflikten, die in der Südtiroler Gesellschaft lange Zeit fortbestanden.

Kein Wunder, dass auch dieser zweite Roman der Autorin die derzeitigen Bestseller-Listen in Südtirol anführt. Dabei ist der Anfang der Geschichte zunächst recht zäh und pychiatrielastig. Es dauert annähernd 60 Seiten, bis die Story durch das Eingreifen von Lissie Fahrt und auch Spannung aufnimmt, wobei vieles überaus konstruiert erscheint. Insbesondere das angespannte Verhältnis zwischen Pavarotti und seiner Helferin wirkt seltsam, da der Commissario die Deutsche lediglich als Unterstützung bei der Aufklärung der Verbrechen heranzieht.

Es menschelt so wenig, dass dem Paar kaum eine gemeinsame Zukunft, auf welcher Basis auch immer, zugetraut werden kann. Auch wenn sich Pavarotti schon mal getraut hat, im Schlaf zu küssen. Schade, dass das recht unbekümmerte Verhältnis der beiden aus ihrem ersten Fall nicht fortgeführt wird.

Schade aber auch, dass Elisabeth Florin die Unbekümmertheit, mit der sie den ersten Fall Commissario Pavarotti trifft keinen Ton erzählt hat, verlor und mit großem Eifer versucht, die politischen Ereignisse und deren Folgen penibel zu beschreiben und im Roman unterzubringen.

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Erschienen: Deutschland 2014 im Emons-Verlag

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