Elke Pistor: Vergessen

P1010806Wenn verschiedene Formen der Alzheimer Erkrankung Haupt- und einen Nebenstrang eines Kriminalromans prägen, ist das etwas Besonderes. Zusammen mit einem alten Vorfall aus der Hochzeit des LSD-Genusses, der nicht von irgendwelches Kommunarden, sondern von angehenden Wissenschaftlern als Experiment durchgeführt wurde, verfügt dieser neue Roman von Elke Pistor über besondere Elemente, die ihn von einem Hau-drauf-schlag-tot-Krimi abheben. Aber neben der Beschreibung der Krankheitsbilder und dem liebevollen Umgang von Kommissarin Verena Irlenbusch mit ihrer erkrankten Großmutter, kommt die Krimihandlung auch dann nicht zu kurz, wenn das schwierige Verhältnis zum neuen Kollegen und dessen persönliches Schicksal zudem noch einen beträchtlichen Teil zwischen Auffinden von Toten und den Ermittlungen einnimmt.

Schnell werden Verena und Kollegen Christoph klar, dass ein vierzig Jahre altes Foto mit fünf jungen Leuten der Schlüssel zu den gegenwärtigen Taten ist. Zunächst springt ein Zahnarzt aus dem Fenster in den Tod, kurze Zeit später eine Tierpräparatorin mit dem gleichen Ergebnis an anderer Stelle. Als die Ermittler dann noch von der Entführung eines kleinen Mädchens erfahren, die möglicherweise in Zusammenhang mit den eigenartigen Todesfällen steht, ist zunächst Ratlosigkeit Partner bei den Recherchen, warum sich Menschen in den Tod stürzen.

Glücklicherweise – so sieht es jedenfalls aus – lernt Verena einen Neurologen kennen, der sie beim Verständnis mit Großmutters Alzheimer unterstützt, und der auch sonst sehr viel Verständnis und gar noch mehr für Verena aufbringt. Und so nehmen weitere Ereignisse ihren Lauf, wobei letztlich scheinbare Nebensächlichkeiten zur Lösung führen. Von der Eitelkeit bis zum Willen, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen, ist es ein langer Weg, den Verena zusammen mit ihrem Kollegen nachvollziehen muss.

Mit Vergessen verlässt Elke Pistor nach mehreren Eifel-Krimis das krimimäßig äußerst bekannte deutsche Mittelgebirge und die dort agierende Ina Weinz und wendet sich – irgendwo muss die Handlung ja angesiedelt sein – mit neuem Personal, an der Spitze Verena Irlenbusch, Köln und dem Bergischen Land zu. Hier nun ist Elke Pistor endgültig der Absprung aus dem Sub(sub)genre Eifel-Krimi gelungen zu sein, ebenso aus dem Subgenre Regionalkrimi, wobei diese Bezeichnungen nicht zwangsläufig ein Merkmal mangelnder Qualität sein müssen – zumindest bei Elke Pistor nicht.

____________________________________________________________

Deutschland 2014, Ullstein-TB

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Rezension abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Elke Pistor: Vergessen

  1. BirthesLesezeit schreibt:

    Von Elke Pistor’s Krimis habe ich zwar bereits öfter gehört, aber bisher noch keinen Roman gelesen. Ich glaube, es wird Zeit, dies endlich zu ändern ;-). Danke für diese Rezension und liebe Grüße, Birthe

  2. Pingback: Wenn der Kies im Krimi knirscht | KrimiLese

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s