Nic Pizzolatto: Galveston

P1010818Ausschnitte aus den Memoiren eines todkranken Kriminellen. Zwei Wochen im Jahr 1987 und das Ende des Lebens von Roy Cady 2008 in Galveston. So kann Nic Pizzolattos Debut-Roman mit wenigen Worten beschrieben werden.

Roy Cady blickt zurück auf seine Karriere als Geldeintreiber, brutaler Schläger, Killer, Liebhaber und betrogener Liebhaber. Ausgenutzt von seinem Boss. Just an dem Tag, an dem Cady erfährt, dass sein Leben wohl bald mit einem natürliche Tod wegen Lungenkrebs endet, will ihn der Boss eines unnatürlichen Todes sterben lassen. Doch die gedungenen Fallensteller verfangen sich letztlich in der für sie tödlichen Falle. Cady flüchtet, nimmt noch eine junge Prostituierte Rocky, einzige Mitüberlebende eines erbitterten Kampfes, mit auf die Reise über die Grenze von Louisiana nach Texas. Von New Orleans nach Galveston. Auf dem Weg dorthin gabelt Rocky noch eine knapp vierjährige Verwandte auf. Die Reise endet für das inhomogene Trio – abgebrühter, alternder Killer, naive Teenie-Nutte, und liebliches Kleinkind Tiffany – in einer heruntergekommenen Motel-Anlage.

Zunächst will Cady seine Begleitung so schnell wie möglich loswerden. „Die Chemie“ zwischen den beiden stimmt nicht, zumal der Cady ein Einzelgänger ist und das anmacherische, nuttige Verhalten seiner Begleiterin nicht schätzt. Im Laufe der zwei Woche, versucht er jedoch, Rocky den Weg zurück zur Tugend zu bereiten. Auch, damit Tiffany einer besseren Zukunft entgegenwachsen kann. Kein leichtes Vorhaben, und es wird jäh beendet.

Dies alles erzählt Cady als er sich nach langem Aufenthalt im Knast rund 20 Jahre später auf den Hurrikan Ike und seinen Tod in Galveston vorbereitet. Zuvor erhält er jedoch noch einen Besuch, der ihn wieder an die zwei Wochen damals mit Rocky und Tiffany erinnert. Dann wird es noch ein wenig sentimental und – Ende.

Pizzolatto, bekannt durch die Drehbücher zur Krimiserie True Detective, wird für Galveston von vielen Seiten hochgelobt. Ein Krimi noir bester Art sei der Roman. Elemente des Noir sind sicherlich vorhanden. Szenen, in denen sich Cady mit seinen Widersachern auseinander zu setzen hat, entsprechen der Definition, ebenso seine Einstellung zum Leben in der Zeit mit den zwei Mädels. Dann jedoch, in der Realität am Ende seines Lebens, ziehen beim Helden sentimentale Züge ein, die dem Anspruch auf eine knallharte Handlung nicht entsprechen. Und zuvor: Mag auch seine Auseinandersetzung mit Rocky über deren „saubere“ Zukunft nicht zu sozialen Phantastereien führen, so erscheint sie doch halbherzig geführt und wird letztlich nicht dem harten Typus eines „schmutzigen Krimis“ gerecht.

Ein passables Werk Pizzolattos, lesenswert – jedoch nach meinem Empfinden nicht so sensationell, wie es von einigen Kritikern gesehen wird.

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Originaltitel: Galveston, erschienen 2011 (USA), dt. 2014 (Übersetzung: Simone Salitter & Gunther Blank) bei METROLIT

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3 Antworten zu Nic Pizzolatto: Galveston

  1. zeilentiger schreibt:

    Philipp, deine Besprechung ist tatsächlich die verhaltenste Blogrezension zu dem Buch, die ich bisher gelesen habe.

    • Philipp Elph schreibt:

      Ja, so ist es, lieber Zeilentiger. Es ist ja nur meine Wahrnehmung des Roman, die ich hier schildere, allerdings immer vor dem Hintergrund zahlreicher Ovationen von namhaften Krimibloggern und -rezensenten. Mag sein, dass meine Erwartungen durch die euphorischen Äußerungen anderer zu hoch geschraubt waren.

      • zeilentiger schreibt:

        Ich finde das besonders spannend, lieber Philipp, wenn Lesermeinungen auseinandergehen. Tun sie es nicht, da verstehe ich dich gut, kann es passieren, dass man zu hohe Erwartungen hat (oder von vornherein misstrauisch wird, also genau die entgegengesetzte Voreinnahme hat).

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