Max Annas: Die Farm

P1010793Verschwommen wie das Bild auf dem Cover erscheint zunächst die Lage auf der abgelegenen südafrikanischen Farm. Sie wird belagert und beschossen, die Menschen auf der Farm wissen nicht warum. Nur eines wird denen da drinnen schnell bewusst: Das ist kein normaler Überfall, nicht so, wie ein solches Ereignis normalerweise abläuft. Als „normal“ wird ein schnelles Vorgehen Krimineller zum Zweck von Mord und Raub angesehen.

So scheint es abzulaufen, wenn in der üblichen Konstellation dieser Verbrechen weiße Überreste der Apartheid von den scheinbaren Gewinnern ihrer Überwindung das weggenommen wird, was den Weißen nicht mehr zusteht. Ein einfaches Schwarz-Weiß-Bild. Hier trifft es nicht zu.

In der Farm halten sich die Besitzerfamilie, deren Arbeiter, Handwerker und Besucher auf. Draußen eine unbekannte Zahl Unbekannter. Die da draußen ballern, die drinnen verbarrikadieren sich, ohne Hilfe rufen zu können, denn die Telefonleitung ist tot, Handyempfang gibt es nicht. Suchen nicht nur nach einer Verteidigungsmöglichkeit sondern auch nach einer Angriffsstrategie. Nachdem zu Beginn des Überfalls bereits ein Gast erschossen wurde, erwischt es auch die Frau des Besitzers.

Und damit verschieben sich die Verhältnisse innerhalb der Gruppe. Die Hierarchie wird umgeworfen. Der Farmer, von seinen Arbeitern Boss genannt, gibt seine dominierende Rolle ab, trauert um seine Frau. Die Betschwester der Toten übernimmt das Kommando, führt die Jagd auf die da draußen an. Der die Macht des Staates demonstrierende Uniformierte, bekannt für seine korrupte Art, mutiert zum Feigling. Durch Bedrohung von außen, ändern sich Strukturen drinnen im Kleinen, für den Moment.

Nach sieben Stunden ist das Drama vorbei. Warum es dazu kam? Es wird in einigen Sätzen angedeutet, nicht ausführlich beschrieben. Aber das Warum spielt auch nur eine unbedeutende Rolle.

Nach diesen aufregenden sieben Stunden endet der Roman, aber es wird wohl weitergehen wie vorher. Auf der Farm mit dem Boss an der Spitze, seinen Arbeitern, die ihm dankbar sein müssen, dass sie für viel Arbeit ein wenig Lohn bekommen. Der Hass auf die Überbleibsel alter Herrschaftsstrukturen wird weiter existieren und somit wird es weitere Überfälle auf Farmen geben. Farmer werden ermordet, vertrieben – und wenn sie großes Glück haben „nur“ – ausgeraubt werden. Trübe Aussichten für das Land und Menschen, die letztlich alle als Verlierer dastehen – trotz oder wegen der Überwindung der Apartheid.

Ein interessanter und desillusionierender fiktiver Bericht, den Max Annas in seinem ersten Roman über das Heute im ländlichen Teil Südafrikas gibt.

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Erschienen: 2014, Deutschland/Schweiz

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2 Antworten zu Max Annas: Die Farm

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