Volker Klüpfel/Michael Kobr: Grimmbart

P1010789Klufti-Fans werden begeistert sein, denn ihr grantelnder Held muss erneut zahlreiches Unbill erdulden oder sich dagegen mit Geschick und einer ordentlichen Portion Chuzpe zur Wehr setzen.

Zefix: Gerade als die Hochzeit seines Sohnes mit der netten Japanerin in die Endphase der Planung geht, der Kommissar dabei unentbehrlich erscheint, geschieht ein mysteriöser Mord in Adelskreisen. Zudem bekommt Klufti noch eine neue, recht anspruchsvolle Präsidentin im Amt vorgesetzt, die zu allem Überfluss auch noch aus Norddeutschland stammt und anders als der bisherige niederbayrische Chef nicht ihr Netzwerk durch Golfspielen pflegt, sondern von ihrem leitenden Hauptkommissar mehr Personalführung einfordert.

Üble Arbeitsbedingungen für unseren Held, der sich mit einer eigenartig abgelegten und geschmückten Leiche und einem verschwundenen Gemälde in dem vom Verfall bedrohten Schloss des Baron Grimmbarts beschäftigen muss. Zum Glück mit der Unterstützung seines bewährten Teams. Das hat er auch bitter nötig, denn ob es ihm nun Spaß macht oder nicht (es macht ihm keinen Spaß) wird das Butzele von Ehefrau Erika in die Hochzeitsplanung eingebunden. Und so kann er es keiner der Frauen so richtig recht machen, weder der Vorgesetzten im Amt noch der Oberplanerin Erika.

Nur kommt es noch schlimmer: Während die Aufklärung im Mordfall nicht vorangeht, sogar noch ein Selbstmord passiert, sieht sich Klufti den anreisenden Hochzeitsgästen konfrontiert, was auch keine Begeisterungsstürme bei unserem Helden hervorruft. Denn einerseits gibt es Zoff in der Familie, andererseits werden die künftigen Schwiegereltern des Sohns aus Japan erwartet. Verständigungsprobleme sind vorprogrammiert und so muss der Allgäuer all seine Englischkenntnisse hervorkramen, um sich mit den Gästen aus Fernost unterhalten zu können. Kluftinger macht das mit Bravour und in einem Englisch, das dem Lübke-Englisch sehr verwandt ist – nur eine Allgäuer Variante.

This is Aral, a tanking…dings….zefix…drink for cars: Ich habe immer gedacht, dass ebensowenig wie mit Blondinen- oder Ostfriesenwitzen in der heutigen Zeit mit 50 Jahre altem Lübke-Englisch (wie Equal goes it loose) Lacher erzeugt werden können, wenn Kluftinger erklärt, dass die Hochzeit what to fire sei. Die Autoren glauben es offensichtlich und sie werden recht haben. Für mich klingen diese sehr breit ausgewalzten Passagen jedoch recht abgedroschen, aber das mag daran liegen, dass ich mich an den Lübke-Originalen oder dem, was unserem damaligen Bundespräsidenten in den Mund gelegt wurde, zur Zeit der Entstehung ergötzt habe. Für neue Generationen mögen derartig amüsante Texte neues Leseglück bringen. Amüsant für mich waren aber die Schilderungen des japanisch-allgäuer Culture-Clashs mit den traditionellen japanischen Gewohnheiten, insbesondere den hygienischen, mit den nicht minder traditionellen des tief im Allgäu verwurzelten, hinterwäldlerisch wirkenden Kluftingers, der allerdings ebenso mit allen anderen Kulturen, Sitten und Gepflogenheiten des modernen Lebens bei Arbeit und in der Familie in Widerspruch lebt.

Ein Grund für Klufti zu granteln, für seine Fans, sich vor Vergnügen auf die Schenkel zu klopfen.

Ja mei, so schee isch’s lang it g’wea, oddr?

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Erschienen: Deutschland 2014

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