Kirsten Wulf: Tanz der Tarantel

P1010748Der Stiefelabsatz Italiens, zu Apulien gehörend, ist in vieler Hinsicht so ganz anders als die große Region. Genannt wird dieser Teil Salento und einige Sitten sind einzigartig. Wie dieser Tanz mit heidnischen Wurzeln, die Piccica tarantate, mit dem Landarbeiter und zumeist Landarbeiterinnen nach dem Biss der Tarantel während der Feldarbeit von der Vergiftung geheilt werden sollen. Traditionell findet diese Heilung stets im August während des Fests La Notte della Taranta statt. Und dieses Ereignis sowie die Musiker, die den Tanz begleiten, stehen im Mittelpunkt des Apulien-Krimis, der besser Salento-Krimi hätte heißen sollen.

Während des Festes in einer kleinen Stadt südlich von Lecce hat Nicola, ein begnadeter und erfolgreicher Pizzica-Musiker mit seiner Gruppe einen grandiosen Auftritt. Drei Tage später ist er tot. Gekleidet in ein weißes Gewand, wie es die Landarbeiterinnen tragen, die Heilung durch die Pizzica suchen, ermordet und in einer Kapelle abgelegt, in der einst eine heilende Quelle sprudelte und die dem Schutzpatron der Vergifteten Santo Paolo geweiht ist – der Kapelle, in der einst das Ritual der Heilung praktiziert wurde.

Nicola wird gefunden von Elena, einer Hamburger Journalistin und Fotografin, die den Pizzica-Star vor und während des Festes für eine Reportage begleitet hatte. Elena schnüffelt nach ihrer Entdeckung im Umfeld von Nicola und der Band herum, gerät sowohl einigen Verdächtigen und auch dem ermittelnden Commissario Colozzi in die Quere, kann Colozzi allerdings wertvolle Erkenntnisse weitergeben, die letztlich dazu führen, dass der Mord aufgeklärt wird.

Hauptakteurin in diesem Stück ist Elena, eine Halbitalienerin, die Monate zuvor mit ihrem Sohn von Hamburg nach Lecce gezogen ist und bei einem Onkel wohnt. Elena zeichnet sich durch eine ungeheure Neugier aus, die sowohl die Wahrheit ans Licht bringt, insbesondere aber auch dieses gesamte, inzwischen folkloristische Umfeld der Pizzica-Musik und des Tarantel-Mythos‘. Eine vorzügliche Beschreibung des Salentos, aus dem jahrzehntelang die Einwohner abwanderten und inzwischen zerfallene Häuser verließen, um anderswo Arbeit und ihr Glück zu finden. Trotzdem kommt die kriminalistische Seite des Romans nicht zu kurz. Einige überraschende Wendungen bringen den Leser ans Ziel – und das liegt da, wo es sooft im Krimi endet: im Menschlichen.

Insgesamt ist Kirsten Wulfs zweiter Apulien-Krimi eine gelungene Symbiose der Beschreibung eines alten Brauchs, dessen Geschichte und heutige Bedeutung, sowie einer interessanten Kriminalgeschichte.

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Deutschland, 2014

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