Peter Jackob: Das Geheimnis von Compton Lodge – Ein Sherlock Holmes Roman

P1010249Die Auszeichnung: Als die Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft den Autor dieses Buches mit dem Blauen Karfunkel 2012 auszeichnete, hörte sich das in der Begründung so an: “Peter Jackob versteht es, den Leser in die gute alte Zeit zurückzuführen. Beim Lesen (…) hat man das Gefühl, ein wirklich neues Abenteuer unseres Meisterdetektivs zu erleben (…) das anspruchsvolle Abenteuer bleibt dabei bis zum Höhepunkt sehr geheimnisvoll (…) Jackob erweist sich als wahrer Kenner der Sherlockianischen Materie.”

Ein dickes Lob für Peter Jackob, der mit diesem Buch die Tradition der Armchair-Detective-Geschichten um Sherlock Holmes und dessen Freund Dr. Watson in Stil und Diktion von Sir Arthur Conan Doyle fortführt und die Leser zurück versetzt in das viktorianische England Ende des vorletzten Jahrhunderts. In die Zeit der Kutschen, der Blendlaternen und besonders der Gabe von Sherlock Holmes durch Beobachtung und Deduktion schwierige kriminalistische Sachverhalte aufzuklären.

Das Geheimnis: Im Fieberdelirium scheint Watson zu fantasieren. Sherlock Holmes schnappt Traumfetzen auf, bei denen es um ein verschwundenes Zimmer, um Farnkraut und einige andere, zunächst nicht erklärbare Dinge geht. Offenbar sind es traumatische Erinnerungen, die Watson quälen. Sherlock Holmes wäre nun nicht der berühmte Detektiv, wenn er nicht versuchen würde, zu klären, was seinem Freund 25 Jahre zuvor im Landhaus seines Großvaters widerfahren ist. Während Watson keine Erinnerungen an diesen Aufenthalt hat, kombiniert Holmes – aber nicht nur engstirnig, das Schicksal des Freundes betreffend, sondern auch in die Richtung eines anderen über zwanzig Jahre zurückliegenden unaufgeklärten Falles, bei dem ein Geistlicher mit gespaltenem Schädel in der gleichen Gegend aufgefunden wurde.

Und Holmes gelingt es, Verbindungen herzustellen und das damalige Verbrechen nahe an die Ereignisse von Compton Lodge heranzubringen, die entscheidenden Einfluss auf den Lebensweg von Dr.Watson hatten.

Holmes Vorgehensweise ist zeitweise geprägt von Überheblichkeit gegenüber seinem Freund. Dennoch müssen nicht nur Watson sondern selbstverständlich auch die Leser dieses Buches die Genialität des Detektivs anerkennen, der Schnittmengen in scheinbar auseinanderliegenden Ereignissen erkennt und daraus, so ist er halt, die richtigen Schlüsse zieht.

Respekt vor dieser Leistung des Detektivs aber auch vor Peter Jackob. Ihm ist es gelungen, sich in die Holmes’sche Denkweise hinein zu versetzen und das Geheimnis von Compton Lodge so darzustellen, dass der Blaue Karfunkel ein gerechter Lohn für diese Arbeit ist.

Warum gerade Sherlock Holmes? Was verbindet den Autor mit dieser Figur? Auf diese Frage antwortete Peter Jackob in einem Interview (Florian Hilleberg, Literra, 29.11.2012) folgendermaßen:

Mit Sherlock Holmes und Dr. Watson verbindet mich eine schon seit gut dreißig Jahren währende Freundschaft. Das Ganze hat mit „Das Rätsel von Boscombe Valley“ begonnen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich auf meinem Bett liegend das erste Mal den Erzählband aufgeschlagen habe. Ich schätze die besondere Freundschaft zwischen den beiden, die Kabbeleien, ihre Unterschiedlichkeit, aber auch das gegenseitige Vertrauen und die etwas überspannte Beziehung. Wenn man die beiden Charaktere zusammendenken würde, käme eine unangepasste, schlaue, loyale und durchaus witzige Figur heraus. Wird einem manchmal Holmes‘ Arroganz oder Watsons etwas zu normales Wesen zu viel, fängt der eine Charakter den anderen auf. Das schafft eine einmalige Verbindung zwischen den beiden, ein wunderbares, unvergleichliches Gefüge.

Gut, dass Peter Jackob vor mehr als 30 Jahren damit begonnen hat, die Erzählungen und Romane um Sherlock Holmes und Dr. Watson zu lesen, und seitdem diese beiden Helden schätzt. Gut auch, dass er uns von weiteren Fällen der beiden berichtet.

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Deutschland, 2012

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