Elke Pistor: Eifler Neid

P1010529Mit „Eifler Neid“ habe ich die Kommissarin Ina Weinz (im vierten Band der Reihe mit dieser Ermittlerin)  kennengelernt. Inzwischen ist sie fünfzig Jahre alt, vor Jahren von Köln wieder in ihre alte Heimat, die Eifel, gezogen, unzufrieden mit ihrem Privatleben und dem zumeist unspektakulären Job, beschäftigt mit der Ermittlung von Delikten Kleinkrimineller. Und das, nachdem Ina Weinz jahrelang bei der Mordkommission arbeitete.

Da tritt die unbekleidete Leiche einer jungen Frau in ihr tristes Leben, abgelegt an einem kleinen Weiher, mitten in der Pampa am Nationalpark Eifel. Eine junge Frau aus der Ukraine. Und die Suche beginnt. Was machte die Ukrainerin in Deutschland, wie kam sie in unser Land, was ist passiert? Fragen, die sich Ina Weinz stellt und gleich nach alter Manier bearbeiten will. Doch die Ermittlungen werden geleitet vom Bonner Mordkommissariat und die Leiterin ist Inas ehemalige Praktikantin Judith Bleuler, die im Gegensatz zur erfahrenen, den klassischen Ermittlungsmethoden verhafteten älteren Kollegin den Fall mit den modernen Methoden der Fallanalyse anpackt. Ein für die Leser amüsanter, für die Beteiligten ätzender Zickenkrieg bricht aus, Alt gegen Jung – aber wie es immer so ist: Ober sticht Unter, Ina muss sich schweren Herzens unterordnen, darf jedoch wegen ihrer Erfahrung mit ermitteln.

Neben dieser Gemengelage innerhalb des inhomogenen Ermittlungsteams und den anderen Problemen, mit denen sich Ina herumschlägt, steht die Geschichte zweier ukrainischer Schwestern im Mittelpunkt, die beide nach Deutschland reisten, um dort ihr Glück zu finden. Doch es ist nur ein scheinbares Glück, das sie erhaschen. Es ist die Geschichte von Hoffnungen und Enttäuschungen, die immer wieder kapitelweise in den „Ermittlungsstrang“ eingebunden wird. Eine Geschichte, die zu einem bitteren Ende führt.

Nach einem kuriosen Beginn – ein älterer Tourist hat durch ein Riesenfernrohr von einer „Bird Watching Station“ im Nationalpark einen Mord beobachtet, eine Leiche wird jedoch nicht gefunden – erzählt Elke Pistor gekonnt die Geschichte und beschreibt den Neid, den „Eifler Neid“ bei den Ermittlungsarbeiten, bei Täter und Opfer.

Das Ende  kommt überraschend jedoch logisch, nachdem ich zwischendurch schon mal auf der richtigen Spur war. Aber ich vertraute nicht meinen Beobachtungen, kam wieder davon ab. „Eifler Neid“, eine geschickt geführte Handlung! Und wenn der Verlag das Buch mit den Worten vorstellt: Psychologisch genau, mitreißend erzählt!, dann trifft hier die Aussage des Klappentextes zu. Damit wird aber auch deutlich, dass das Buch zwar als „Eifel Krimi“ bezeichnet wird, es aber aus der Enge dieser Genre-Bezeichnung des Reginalkrimis auf erfreuliche Weise ausbricht.

______________________________________________________________

Deutschland 2014

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s