Olen Steinhauer: Die Kairo-Affäre

P1010521Olen Steinhauer erzählt in dem Spionagethriller „Die Kairo-Affäre“ von den Versuchen der USA vor und während des Arabischen Frühlings, Einfluss auf die Revolution in den nordafrikanischen Staaten – insbesondere Libyen – zu nehmen und den Machenschaften der CIA, diese Aktivitäten zu vertuschen. Der von der CIA entwickelte geheime Plan dazu wird unter dem Namen Stumbler geführt.

Diese Fiktion wird ähnelt zunächst einem Rapport, in dem der Chronist die darin agierenden  Diplomaten und Geheimdienstler mit ihren Motiven und Hintergründen darstellt. So ergibt sich schließlich ein Bild der unterschiedlichen Interessen der Beteiligten von „Projektentwicklung und -durchführung“, Vertuschung und Verrat zum Verhindern oder Unterstützen. Wie sehen  zunächst ein Kafka’sches Vexierbild, nach dem das Versteckte deutlich aber dennoch unsichtbar ist.

In diesem Szenario werden ein ehemaliger Kairoer US-Botschaftsangehöriger und zunächst zwei Spezialisten der CIA ermordet. Sie alle sind und waren beteiligt an Stumbler, allerdings teilweise ohne Kenntnis der Mitwirkung der anderen. Wer die Morde veranlasst hat, ist anfangs nicht zu erkennen. Es ist eine komplizierte Gemengelage, denn nicht nur die US-Amerikaner agieren, sondern auch die Geheimdienste anderer Staaten. Zentrum der Handlung ist Kairo, aber die Geschehnisse gehen auch auf Ereignisse in Serbien und Libyen viele Jahre zuvor zurück. Das erweitert den Raum der Spekulation. Und dann sind es immer wieder die Motive, die zu scheinbar unvorhersehbaren Handlungen führen. Da strebt jemand an, zum Whistleblower zu werden, andere handeln aus Zuneigung oder werden erpresst. Schließlich verwandelt sich das Vexierbild in ein Schlussszenario, das Klarheit bringt und die Geheimnisse des Personals aufdeckt.

Vieles ist dabei nicht so, wie es anfangs ausgesehen hat, und „Es wurden Fehler gemacht“ ist eine lapidare Erkenntnis.

Die New York Times schrieb über das Buch: „Ein kunstvoller, komplexer Spionageroman voller faszinierender Figuren, in dem Kairo als undurchdringliches Labyrinth der Intrigen auftritt.“

Andere Quellen stellen Olen Steinhauer auf eine Stufe mit John le Carrè.

Mein Fazit: Während John le Carré mit seinem Werk im 20.Jahrhundert verankert ist, stellt Olen Steinhauer in diesem Buch eine Situation des 21. Jahrhunderts mit ihren neuen Brennpunkten dar.

Und im Übrigen schließe ich mich der Meinung der New York Times an.

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Original: The Cairo Affair (USA, 2014), dt. 2014 (Übersetzung Rudorf Hermstein)

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