Nathan Larson: 2/14

P1010472Überleg‘ es dir gut, ob du dieses Buch liest! Es ist vom Inhalt und der Erzählweise kein Massenprodukt, kein Werk, das im Mainstream schwimmt. OK, das kannst du auch erwarten, denn dies ist ein Roman aus dem Diaphanes Verlag und zudem in der Reihe Penser Pulp von Herausgeber Thomas Wörtche erschienen.

Du hast zwei Möglichkeiten, dich in das Buch hineinzubegeben:

 

  1. Auf blauen Dunst, ohne etwas über den Inhalt zu wissen. Das wird dir jede Menge Überraschungen bringen, aber vermutlich auch Kopfschütteln bis zur Verzweifelung.

  2. Du liest zunächst auf der rückwärtigen Einbandseite, was Sara Gran zu dem Buch gesagt hat. (Du kennst Sara Gran? Dann weißt du, dass ihre Lobhymne zu 2/14 bedeutet, dass dieses Buch ein außergewöhnliches Werk sein muss). Sara Gran schreibt: „Wie alle erstklassige Literatur transzendieren die Dewey-Decimal-Romane Genre-Einschränkungen. Sie erzählen uns die Geschichte eines geheimnisvollen Mannes und die Geschichte von allem.“ Kapiert? Wenn nicht – und du hast immer noch Interesse zu erfahren, was da transzendiert und was die Geschichte von allem ist -, lies noch das fünfseitige Nachwort von Thomas Wörtche (dem Reich-Ranicki der Kriminallieteratur, wie er mal bezeichnet wurde. /Zum Glück lebt TW noch/). In diesem Nachwort kapierst du eines: Das muss ein außergewöhnlicher Roman eines außergewöhnlichen Autors sein.

 

Und ich rate dir: Lies das Buch, wenn du Außergewöhnliches liebst.

 

Nur solltest du dich dem Buch nähern, wie Dewey Decimal sich seiner Umwelt nähert, damit es authentisch ist, wie du liest. Spritz ein paar Tropfen Purell® auf deine Finger, verreibe sie, ziehe dir am besten noch ein paar OP-Handschuhe an, bevor du dich an die dreckige Welt wagst, in der der Kriegsveteran im New York nach 2/14 lebt, jenem Tag, an dem alles den Bach runtergegangen ist in NY, durch Bomben, Sprengungen, sonstwie. 2/14 ist der Valentinstag des Jahres 2014, in dem passierte, was passierte und dazu führte, dass in der Stadt nur noch 1/10 der Bevölkerung verblieben ist, in der kaum noch Leben, kaum Geschäftsleben mehr vorhanden ist. Darin Dewey, der Aufträge bekommt, mit der er die Bevölkerung noch weiter dezimieren soll, ansonsten aber in der NY Public Libary lebt, um die Bücher nach seinem „Decimal“-System zu ordnen. Dewey ist ein armes Schwein, abhängig von Purell® und Pillen, in irgendeinem Militärhospital seiner Erinnerungen beraubt, mit diversen Chips versehen und gesteuert durch einen nicht gewählten District Attorney. Und der schickt ihn los, jemanden zu beseitigen, aber auch andere beanspruchen Decimals Dienste. Chaos im Kopf von Decimal, denn die Aufträge schließen einen erfolgreichen Abschluss gegenseitig aus. So irrt der Held durch ein größtenteils zerstörtes NY, in dem es nach Plastik stinkt, nach brennenden Müll, und versucht, seinen eigenen Weg zu gehen. Ach übrigens: Nach einem bestimmten System, immer im Wechsel von geraden und ungeraden Straßennummern. Ein solches Systerm solltest du auch beim Lesen beachten: Lies erst eine ungerade Seite, ich empfehle mit der Seite 7 anzufangen, dann eine gerade, das wäre die 8, und fahre dann so fort, ungerade, gerade, ungerade,…….Dann wirst du spüren wie Dewey Decimal tickt, in welchen Nöten er sich manchmal befindet.

 

Thomas Wörtche sagt in seinem Nachwort: „ Der ordentliche, klar strukturierte Plot, der den Roman treibt, ihm seine Dramaturgie gibt, ihn spannend macht, den Rhythmus und das Tempo vorgibt…“

 

Ja, ist wohl so. Und am Ende spritzt sich Dewey Decimal noch ein paar Tropfen Purell® auf die Hände, verreibt das Zeug, wirft sich noch eine Pille ein und  – schläft.

 

Er schläft den Schlaf des Gerechten. Und ich? Ich spritze mir noch ein paar Tropfen…….und warte, dass der zweite Band dieser verrückten, außergewöhnlichen auf drei Teile ausgelegte Geschichte des unerschrockenen, unerschreckbaren Helden erscheint!

 

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Das Copyright 2011, in Deutschland 2014 erschienen, übersetzt von Andrea Stumpf

 

 

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12 Antworten zu Nathan Larson: 2/14

  1. meikesbuntewelt schreibt:

    Danke für den Tipp. Ich glaube aber, das muss ich nicht lesen. 🙂

    • Philipp Elph schreibt:

      Tja, Larson lesen ist eben nicht wie Handtäschchen filzen! Kommt aber Stricken sehr nah: Der Methode „ein rechts, ein links“!

  2. annekuhlmeyer schreibt:

    Ja, das ist ein feines Buch. Und Du hast einen originellem Text dazu geschrieben.Mag ich beides. 🙂

  3. Petra Wiemann schreibt:

    Jetzt bin ich aber neugierig! Bei Diaphanes hätte ich nicht unbedingt einen Krimi erwartet.

  4. Petra Wiemann schreibt:

    Klingt auch interessant, aber Nathan Larson gefällt mir besser. Sein nächstes Buch erscheint ja auch schon im Oktober. Da hast du bald wieder was zu tun.

  5. karu02 schreibt:

    Hm, ich glaube ich werde da erst mal reinschauen, klingt ein bisschen kompliziert.

    • zeilentiger schreibt:

      Es liest sich eigentlich recht flüssig und hat einen eigenen Zug in der Handlung, das ist also nicht schlimm. Erst mal reinschauen lohnt sich aber natürlich immer. 🙂

  6. Pingback: Nathan Larson: Boogie Man | KrimiLese

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