Kerstin Hamann: Windige Geschäfte

P1010073Das Geschäft mit erneuerbaren Energien boomt – nicht zur Freude aller.

Da kann schon mal ein Verfechter auf der Strecke bleiben. Und einer der Verfechter wird am Morgen nach einer feschen Party tot aufgefunden.

Es ist der Stadtrat und Umweltderzernat der Stadt Wiesbaden, Erwin Stumpf, der per Schlag auf den Schädel ins Jenseits befördert wurde.

Martin Sandor und Team nehmen die Ermittlungen auf, stoßen dabei auf diverse Feinde Stumpfs, stellen fest, dass sich auch einer ihrer Kollegen, Paul Fischer, am Tatort aufgehalten hat. Während die Ermittler davon überzeugt sind, dass der Kollege zur falschen Zeit am falschen Ort war und nichts mit dem Mord zu tun hat, finden sich einige Indizien, die gegen diese Annahme sprechen. Allerdings gibt es im Umfeld des Toten genug Personen, die ein Motiv für die Tat haben und einige davon verhalten sich auch während der Ermittlungen höchst verdächtig. Als es dann zu einem weiteren Mord, einem ungewöhnlichen Doppelmord im Umfeld des zuerst Getöteten kommt, sind die Kommissare um Martin Sandoz völlig ratlos und irren zunächst recht ziel- und ergebnislos zwischen den Verdächtigen hin und her.

Die Positionen, gleich ob Pro oder Kontra des Windparks auf dem Taunuskamm am Rande Wiesbadens, scheinen äußerst gefährlich. Es ist auch nicht immer klar, wie die Interessenlage der einzelnen Mitspieler und wie deren Rolle in diesem gefählichen Spiel ist. Neben Mord geht es um Bestechung, Erpressung und andere, recht delikate oder abstoßende kriminelle Handlungen.

Kerstin Hamann erzählt diesen „Wiesbaden-Krimi“ mit recht viel Lokalkolorit und ausführlichen Beschreibungen von Orten wie Plätzen und Gebäuden in und um Wiesbaden. Zudem orientiert sie sich an der real existierenden Diskussion um die Errichtung des Windparks oberhalb der Stadt mit den vielen Vorbehalten, Einwänden und fragwürdig aufbereitetem Zahlenwerk der Gegner. Die Autorin lässt einige Positionen und die Fakten zu den erneuerbaren Energien von ihren Protagonisten detailliert beschreiben.

Gut recherchiert, Frau Hamann!

Zuweilen geht sie jedoch für meine Krimilese-Bedürfnisse zu sehr in die Einzelheiten. Das trifft sowohl für die „energetischen“ Betrachtungen zu als auch für die Schilderung der Örtlichkeiten. Immer wieder gelingt es ihr jedoch, den Faden der Krimihandlung wieder aufzunehmen und zu einem schlüssigen Finale mit dramatischen Wendungen in den Gewölben der ehrwürdigen Wiesbadener Marktkirche zu führen.

Es ist ein Krimi, der mich als Bürger Wiesbadens besonders angesprochen hat. So wird es vermutlich auch anderen Krimifreunden der Stadt und der näheren Umgebung gehen. Andererseits ist es Kerstin Hamann aber auch gelungen, einige Aspekte der Diskussion um Windparks in der Nähe bewohnter Gegenden, trefflich zu beschreiben und in eine spannende Handlung einzubauen.

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Hier noch ein Beitrag über eine Lesung von Kerstin Hamann an einem ihrer Tatorte, dem Ort des großen Finales, dem Gewölbekeller der Marktkirche in Wiesbaden: hier

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Erschienen: Deutschland 2014

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Eine Antwort zu Kerstin Hamann: Windige Geschäfte

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