Klara Holm: Möwenfraß

Dies ist ein Krimi, der auf Rügen spielt und als Ostsee-Krimi beworben wird.

Eine nette, feine Lektüre für Strandurlauber, Rügen- und/oder Ostsee-Fans.

P1010004Wer mich nach den bedeutendsten Spielarten des Regionalkrimis fragt, dem antworte ich: Da gibt es zwei sehr beliebte bei Autoren und Lesern. Variante 1 ist die mit dem knorzigen, meist wortkargen eingeborenen Kommissar. Bei Variante 2 wird ein/e Kommissar/in aus einer Metropole des Landes mit hoher Kriminalitätsrate in die Pampa versetzt, in der Kapitalverbrechen nicht an der Tagesordnung sind. Spielen die Krimis in Frankreich, war der Kommissar zumeist vorher in Paris tätig.

Seebrücke von Sellin, auf dem Buch-Cover auch zu erkennen

Seebrücke von Sellin, auf dem Buch-Cover auch zu erkennen

Klara Holm hat sich bei Möwenfraß für Variante 2 entschieden und so trifft der Großstadt erfahrene, Rügen gegenüber skeptische Kommissar Luka Kroczek aus Düsseldorf auf der Ostseeinsel ein und wird als neuer Leiter des Kommissariats gleich mit einem Mord konfrontiert – aber auch mit Mitarbeitern, die sich entweder nicht durch Geistesblitze hervortun oder, wie Kollegin Conny Böhm, sich unkooperativ und skeptisch gegenüber dem neuen Chef gegenüber verhalten. Die Spannung zwischen den beiden prägt große Teile des Romans, in dem eine zunächst die arg zugerichtete Leiche einer Frau in deren verkommenen und verlassenen Elternhaus gefunden wird.

Personell ausgestattet ist dieser Krimi zudem mit Verdächtigen, die selbstverständlich auch ihren bestimmten Stellenwert in dieser Art des Krimis haben.

Zunächst der Ehemann der Getöteten, ein für die Inselverhältnisse großer, unsympathischer Immobilienhai, der aus der Zeit nach der Wende als großer Gewinner in diesem Geschäft hervorgegangen ist. Dazu die Schwester der toten Frau, eine linke Politikerin mit Idealen. Dann gibt es den gesellschaftlichen Außenseiter sowie einen ewig Gestrigen, der den Verhältnissen der alten heilen DDR immer noch hinterher trauert. Für all diese Typen fällt dem Kommissar, Conny und den anderen teilintelligenten Mitarbeitern ein mögliches Motiv ein, auf die richtige Spur werden die Ermittler dann aber von einem kleinen Jungen gebracht, der gewisse Beobachtungen macht. Trotz schwieriger Verhältnisse, in denen der Knirps mit Mutter und deren Geliebten Urlaub in einem Wohnwagen macht, finden die Beobachtungen des Jungen den Weg zur Polizei und der Fall wird, wie sich das nicht nur in den Metropolen der Kriminalität sondern auch auf Rügen gehört, gelöst.

Und da auch Kommissar Luka und Kollegin Conny sich im Laufe der Ermittlungen aneinander gewöhnen, ja sogar achten, und Luka, den es wegen der neuen Arbeitstelle seiner Frau zwangsläufig auf die Insel verschlagen hat, das neue Zuhause akzeptiert, ist die Welt bei Familie Kroczek und im Kommissariat dann letztlich doch in Ordnung.

Glück schließlich auch für den kleinen Jungen, dem von potenziellen Stiefvater gedroht wurde„Weißt du, was man mit Kindern macht, die lauschen und glotzen? Die schmeißt man ins Meer, wo die Möwen sie fressen. Das wird aus Kindern, die lauschen: Möwenfraß!“

Ein Krimi unter Mitwirkung einiger Requisiten: das Dörfchen Vitt, Kap Arkona, die alte Konzertmuschel in Sassnitz, der Herthasee im Jasmunder Nationalpark und andere Orte auf Rügen.

Requisiten, die teilwiese ihre Vergangenheit noch nicht abgelegt haben – wie auch einige der fiktiven Bewohner der Insel.

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Deutschland 2014

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Nein, Möwen fressen keine Kinder

Nein, Möwen fressen keine Kinder

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2 Antworten zu Klara Holm: Möwenfraß

  1. caterina schreibt:

    Rügen – da kommen Heimatgefühle auf! Aber es hat schon einen Grund, weshalb Regiokrimis (natürlich mit einigen Ausnahmen) nicht unbedingt mein Genre sind; wie du es beschreibst, scheint auch dieses Buch sich nicht von der Masse abzuheben. Der einzige Reiz liegt tatsächlich im Ort. Und den besuche ich dann doch lieber physisch. 😉

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