Christian Mähr: Tod auf der Tageskarte

P1000954Wäre dieser Roman ein Bühnenstück, würde ich es als Posse bezeichnen. Mährs Landsmann Johann Nestroy hätte den Tod auf der Tageskarte nicht wesentlich anders geschrieben.

Das Gasthausmilieu der „Blauen Traube“ – mit dem Mobiliar und der Tageskarte aus dem vorigen Jahrhundert – im österreichischen Dornbirn und der Stammtisch mit einem Wirt, der prophetische Träume hat, dem cholerischen Holzschnitzer, einem pensionierten, zumeist dozierenden Chemielehrer – nach österreichischer Lesart ein „Chemieprofessor“ – und einem ehemaligen biederen Buchhalter, der gern den Opernarien-Sänger gibt, das alles wäre eine herrliche Kulisse für eine derartige Posse.

Wenn dann noch in dem prophetischen Traum zwei Männer eine Leiche von einer Brücke in eine Schlucht werfen, der Träumer sowohl den Ort des Geschehens erkennt, als auch die Männer genau gesehen hat, dann wird der Traum selbstverständlich zum Stammtischgespräch.

Für die Stammtischbrüder ist klar: Es muss etwas unternommen werden.

So treffen sie bei ihren nächtlichen Recherchen in der Nähe des geträumten Abwurfortes der Leiche einen der beiden Männer aus dem Traum. Sie kommen einem Verbrechen auf die Spur, verlassen diese nicht. Die Verfolgung beginnt und über diverse Stationen in unterschiedlichen Lokationen mit Verwechselungen, eigenartigen Zufällen und unglaublichem Geschehen klärt der Wirt und Wahrträumer Spielberger mit seinen Stammtischbrüdern, unterstützt von Frau und Tochter, die unwahrscheinliche Geschichte auf. Ein Kriminalroman als Posse.

Das lesen wir daraus: In Vorarlberg ist die Welt noch in Ordnung, jedenfalls am Stammtisch der „Blauen Traube“ zu Dornbirn, draußen tobt allerdings das Verbrechen, das kleinbürgerliche, das wirtschaftliche, aber auch das durch mafiöse Strukturen geprägte. Gut, dass es noch die wackeren Stammtischler gibt, jeder für sich ein Unikum, gemeinsam jedoch stark genug, um nach dilettantischer Näherung an die kleinen und großen Kriminellen, diese mit teilweise skurrilen und selten legalen Methoden zur Strecke zu bringen.

 Mit Tod auf der Tageskarte hat Christian Mähr  wiederum einen  Krimi mit oftmals nahezu bösartigem Witz geschrieben, ohne jemals in flachen Schenkelklopfer-Humor abzufallen.

Wer das Gehäcksel in der Abwasserreinigungsanlage in Dornbirn schätzte (Christian Mähr: Alles Fleisch ist Gras) wird auch von diesem Werk des Autors begeistert sein. Und wen nicht nur ein schlichtes „Whodunit“ interessiert, sondern wer auch Spaß hat an der Beschreibung schlitzohriger Vorgehensweisen, für den ist dieses Buch die richtige Lektüre.

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Erschienen: Österreich, 2014

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