Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Gold

P1010205Recht dynamisch beginnt’s für und mit Kommissar Dupin: Als er in den Salzgärten auf der bretonischen Guérande-Halbinsel einem Hinweis auf mögliche kriminelle Handlungen nachgeht, wird er beschossen. Nach den beschaulichen Anfängen der beiden vorherigen Dupin-Fälle startet dieser dritte Fall mit einem wahren Shoot-out, bei dem der Held durch einen Schuss verletzt wird!

Nicht die besten Voraussetzungen für Dupin, diesen Fall zu lösen, vor allem auch deshalb, weil er bei der Schnüffel-Aktion das Terrain einer anderen Präfektur betritt, nur um einer Journalistin einen Gefallen zu tun.

Während zunächst die zuständige Kommissarin Rose versucht, ihn von der Ermittlung auszuschließen, wird wenige Stunden nach den Schüssen die Leiche der Journalistin gefunden. Daraufhin erhält der Kommissar von seinem Präfekten die Anweisung, zusammen mit Kollegin Rose Mordversuch und Mord aufzuklären. Denn es scheint festzustehen, dass die beiden Ereignisse  in Zusammenhang stehen. Und so wird ermittelt, zwischen dem Weißen Land, jener Salinenlandschaft, und dem Golfe du Morbihan, der mediterransten , ja karibischsten Ecke der Bretagne – wie die Bewohner sie dort sehen. Doch das angenehme Klima steht im Gegensatz zu den Personen, die möglicherweise mit den Verbrechen in Verbindung stehen, denjenigen, die mit und vom Fleur de Sel leben. Untereinander stehen Salzbauern alter Art, eine Kooperative und ein Großbetrieb in Konkurrenz, Konflikte prägen ihren Alltag. Gegenüber den Kommissaren lügen sie und nennen falsche Alibis.

Gut nur, dass Rose mit größerem Elan und zielgerichterter vorgeht als Dupin, dessen größtes Interesse es ist, dass er sich immer mit genügend café und wohlschmeckendem Essen versorgt.

Gemeinsam finden sie den richtigen Weg, der die beiden zum inneren Zirkel des Verbrechens führt.

Gut nur, dass es Rose gibt. Mit ihr werden die Ermittlungen dynamischer, das Tempo höher, die Wechsel jäher als bei den beiden vorherigen Fällen, die Jean-Luc Bannalec seinem Kommissar Dupin übertragen hatte.

Zwar erfahren wir wieder ausgiebig und im Salinenführer-Modus beschrieben alles, was es Wissenswertes über die Arbeit der Paludiers im Weißen Land zu berichten gibt – Historisches, Politisches, Wirtschaftliches -, dazu einiges über bretonische Mythologie, Menhire, Dolmen, Cromlec’hs und dem point magique einschließlich des dort befindlichen Grabs von Caesar – und das ist ja auch gut so, damit Leser, die ihre touristischen Ziele in der Bretagne aus den Dupin-Bänden generieren, wissen, wohin sie müssen,

aber in dieser Mischung von reiseführerartigen Beschreibungen, verbrecherischen Handlungen und pfiffiger Ermittlungsarbeit, die zum point magique des Falles führen, stellt dieser Kriminalroman ein gelungenes Produkt dar – zu vergleichen mit dem Fleur de Sel mit seinem einzigartigen Veilchenduft.

Zum Schluss noch ein Tipp für den Autor: Trägt der Kommissar oder die Kommissarin eine Pistole am Körper, so steckt die Pistole in einem Holster. Ein Halfter ist etwas, was Pferde tragen ( wenn das Holster auch umgangsprachlich fälschlicherweise als Halfter bezeichnet wird, ist dieser Ausdruck dennoch nicht richtig) und von einer Pistole im „Halter“ habe ich noch nie gehört!

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Deutschland 2014

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8 Antworten zu Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Gold

  1. karu02 schreibt:

    Das ist schon bestellt, wobei ich nicht genau weiß, ob ich diesen Autor wegen der Bretagne-Beschreibungen und wegen der Story gerne lese. Wahrscheinlich ist es beides. Ich hoffe, er hält sein Niveau.

  2. Ursula Herrmann schreibt:

    CSI Guérande. Je länger ich las, desto mehr hatte ich das Gefühl, in einer CSI-Folge gelandet zu sein. Das Gemütliche, Spezielle ist Kommissar Dupin ab dem rasanten Tempo der Story praktisch vollständig abhanden gekommen. Was zählt sind nur noch Verdächtige, die gejagt werden müssen und Action. So eine Story könnte nun wirklich überall spielen. Die Bretagne als Kulisse, nicht als Lebensraum. Schade.
    Die ersten beiden Bücher erlaubten noch ein Eintauchen in die Geschichte und die Figuren wirkten lebensecht.

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