Daniel Holbe: Giftspur

P1010009Ein kerngesunder Biobauer stirbt beim Joggen. Einer seiner Mitarbeiter, ebenfalls ein Kerl, der vor Gesundheit strotzte, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Natürliche Todesursachen oder nicht, das ist zunächst die Frage, die sich die Kommissare Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach stellen. Die beiden haben gerade ihre Arbeit in der neu gegründeten Mordkommission in Bad Vilbel nördlich von Frankfurt aufgenommen. Und so versuchen sie zunächst, neben der Ermittlungsarbeit nach alter Hühnerhofsitte die Hackordnung festzulegen. Sabine bringt reichlich Erfahrung aus Frankfurt mit, wird allerdings von Angersbach und anderen Kollegen der Kripo dieses Kleinstadtidylls und dessen ländlichem Umfeld der Wetterau als Großstadttussi angesehen. Angersbach hingegen hat weniger Erfahrungen mit Kapitalverbrechen, wird von Sabine als überheblicher Chauvi mit knallharten Verhörmethoden gewertet, während sie mit Empathie eine menschlichere Vorgehensweise bevorzugt. Dieses gestörte Verhältnis prägt große Teile dieses Kriminalromans, der im Umfeld eines großen Biobetriebs spielt. Dort geht es weniger idyllisch zu, als Hofladen und kleine Molkerei es vermuten lassen. Der inzwischen verstorbene Biobauer war eine Person, die mit drastischer Personalführung und rücksichtslosem Expansionstrieb seinen Betrieb voranbrachte. Er schreckte aber auch nicht vor Milchpanscherei und Untermischung seiner Produkte mit minderwertiger Ware zurück.

Feinde resultierten aus seinem Verhalten reichlich. Motive, ihn zu töten, gab es genügend. Nur der andere Tote, ein von allen geachteter Mensch, passt nicht in das Bild, das sich die Kommissare machen. Klar ist aber sehr bald – siehe Titel -, dass die beiden eines unnatürlichen Todes gestorben sind. Und es gibt noch andere Motive, die außerhalb der geschäftlichen Ebene liegen. Letztlich, wie es sich für gute Kommissare gehört, erkennen diese, was-warum-wer die Tode verursacht hat.

Daniel Holbe erzählt die Geschichte unaufgeregt und in großen Teilen auf den Fall bezogen spannungsfrei. Lediglich das verbale Gekabbel der Kommissare bietet außer einer kleinen Verfolgungsjagd über die Äcker der Wetterau einige Spannungseffekte. Der gesamte Biokram mit Panscherei in der Molkerei, Untermischung mit minderwertigen Produkten im Bio-Hofladen und gar Forschung, bei der es um Genmanipulation geht, wird recht oberflächlich behandelt. Schade drum. So bleibt Giftspur ein einfacher Wetterau-Regionalkrimi ohne Schwung und Spritzigkeit.

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Deutschland 2014

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2 Antworten zu Daniel Holbe: Giftspur

  1. Gut ausgedrückt, ohne Schwung und Spritzigkeit. Das fehlt dem Krimi auf jeden Fall, denn die Story plätscherte so vor sich hin. Zum Schluss wollte ich gar nicht mehr wissen, wer der Mörder ist.

  2. WortGestalt schreibt:

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, obwohl ich das sonst vermeide, dieses Buch habe ich tatsächlich nach 40 Seiten weggelegt, bis heute nicht wieder angerührt und nach all den Rezensionen, die meinen ersten Eindruck absolut bestätigen, auch nicht vor, es nochmal zur Hand zu nehmen. 😉

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