Jesper Stein: Unruhe

P1000959Freunde hat er nicht, Kommissar Axel Steen vom Kopenhagener Morddezernat, dafür etliche Kollegen und Verbrecher, die Dienstaufsichtsbeschwerden gegen ihn initiiert haben. Eigenmächtiges Handeln zeichnet ihn zum Ärger und Leidwesen seiner Kollegen aus, mit zweifelhaften Methoden behandelt er sein Klientel, seine Chefs würden ihn gern zur Verkehrspolizei abschieben oder ganz aus dem Dienst rausschmeißen – aber er ist der Ermittler mit der besten Aufklärungsrate. Das ist der Grund, weshalb dieser Kiffer, Pychopath und desillusionierte Polizist in seinem gegenwärtigen Job immer noch geduldet wird.
Keinem anderen wird zugetraut, den aktuellen Fall zu lösen, bei dem während einer großen Unruhe – ein Jugendzezentrum wurde von der Polizei gestürmt und mit Baggern platt gemacht. Autonome und Revoluzzer, die sich dort aufhielten, durchziehen mit Sympathisanten den Kiez. Marodierend, Banken und amerikanischen Fastfood-Restaurants entglasend, Barrieren errichtend, anzündend, mit Molotowcocktails werfend. Polizei ist omnipräsent, greift hart ein, prügelt und verhaftet – auf einem von der Polizei bewachten Friedhof eine Leiche entdeckt wird. Das ist normalerweise an diesem Ort nichts, was ungewöhnlich sein muss, nur dass es sich bei dem Toten um einen Mann handelt, der die Kleidung eines Autonomen trägt und just, quasi unter den Augen der Polizei ermordet wurde.
Die Befürchtung, dass Polizisten den Mann ermordet haben könnten, ist bei den Verantwortlichen Ordnungshütern und Politikern groß, und so soll Axel Steen diskret und schnell klären, wie es zu diesem Todesfall in ungewöhnlicher Umgebung kam.
Auf ominöse Weise gelang ein Foto vom Tatort in die Presse. Der Vorfall wird brisant und scheint aus dem Ruder zu laufen. Aber der bei Kollegen und Chefs unbeliebte, in der Autonomen- und Revoluzzer-Szene gehasste Kommissar ermittelt mit seinen Methoden, auf eine Art, mit der er seine Vorgesetzten nötig, ihn vom Dienst zu suspendieren. Zu eng ist das Verhältnis zu einer potenziellen Mitwisserin, wobei Steens Verhältnis zu Frauen ein ganz besonderes ist. Er nutzt sie, um den Sexualtrieb auszuleben, zudem ist seine Ehe gescheitert. Die Ex lebt mit einem Karrieretyp der Geheimpolizei zusammen.
Und mit diesem gemeinsam sollte er den Fall klären. Eine scheinbar üble Konstellation, aber letztlich nützt sie allen.
Und so endet eine in mehrfacher Hinsicht düstere Geschichte im Umfeld von fragwürdigen politischen Entscheidungen mit Krawallen, schließlich mit Unverhältnismäßigkeit, Brutalität und Unverständnis auf beiden Seiten sowie dubiosen Geheimdienstpraktiken. Darin eingebettet der eigentliche Fall, in dem die Situation zur Verschleierung geschickt ausgenutzt wird.
Aber – siehe oben – es gibt ja Axel Steen.

Ein intelligent geschriebener Erstling von Jesper Stein mit viel Wirren – Unruhe, wie der Titel sie bezeichnet – und einer großen Menge an Dramatik.

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Originaltitel: Uro (Dänemark 2012), dt. 2013 (Übersetzung: Patrick Zöller)

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