Was soll’s! – Best Blog Award – 11 Fragen, 11 Antworten – eine Art von Coming Out

bestblogBlog-Stöckchen mag ich nicht – einerseits. Andererseits geben sie mir Anlass zur Reflexion. Dieses Stöckchen, das ich von  My Crime Time  und in ähnlicher Form von crimenoir erhalten habe, hat mich zum Nachzudenken über mein Verhältnis zu Kriminalromanen und Thrillern angeregt. Hier das Ergebnis in der Form des Frage-und-Antwort-Spielchen:

  1. Kannst du dich noch an deinen allerersten Krimi erinnern?

In der Schule Schule haben wir von Friedrich Dürrenmatt Der Verdacht oder Der Richter und sein Henker gelesen. Welcher der beiden es war, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Das erste, bewusst als Krimi gelesene Buch war von Dorthy L. Sayers, Der Tod in der Badewanne (Heute: Ein Toter zu wenig)

  1. Seit wievielen Jahren liest du Krimis?

Abgesehen von dem ersten Kontakt mit dem Genre in der Schule lese ich Kriminalromane seitdem mir Freunde das Buch von Dorothy L. Sayers geschenkt haben. Das war Ende der 60er im letzten Jahrhundert. Ab 1978 habe ich dann allerdings eine Pause gemacht. Da waren dann zunächst Pixi-Bücher angesagt, die ich (vor)gelesen habe. Der zweite Start war vor zwanzig Jahren.

  1.  Über welchen Krimi hast du dich zuletzt so richtig geärgert?

Geärgert habe ich mich über einige Krimis von Simon Beckett, die in Deutschland nach dem Beginn der David-Hunter-Reihe erschienen. Das sind Werke, die bereits schon einmal erfolglos lange vor den drei Hunter-Bänden in deutscher Übersetzung veröffentlicht und nun in dem Sog der Bestseller wieder ausgegraben wurden. Auch dadurch, dass Beckett sie teilweise neu bearbeitete, wurde sie nicht besser.

  1. Muss es in einem Krimi für dich immer zwangsläufig eine Leiche geben?

Nein, Spannung wird nicht durch den Mord an sich erzeugt. Eine Leiche ist meist das am wenigsten Interessante an einem Krimi, es sei denn, sie ist in einer besonderen Weise arrangiert oder mit Vanitas-Symbolen geschmückt. Merkmale, die darauf schließen lassen, dass dieses Bild eine Bedeutung hat, die zum Täter führt.

  1. Krimis werden immer blutiger – wie findest du das?

Es gibt die „blutigen Krimis“, der Anteil an der Krimiliteratur erhöht sich offensichtlich. Ebenso ist es mit Krimis, in denen große Brutalität beschrieben wird. Bei manchen Autoren gehört das eine oder andere dazu. Ein Qualitätskriterium ist eine große Menge an Blut oder die Brutalität jedoch nicht. Für mich ist viel Blut und große Brutalität zumeist entbehrlich.

  1. Thema Regionalkrimis – wie stehst du dazu?

Lokalkolorit, knarzige Kommissare und Einheimische, die in ihrem Dialekt reden und Fremden zumeist äußerst zurückhaltend gegenüber sind,  haben zuweilen ihren Reiz. Wenn diese speziellen Erscheinungen aber mit Schilderungen wie aus Reiseführern oder Schenkelklopfer-Humor verbunden sind, verzichte ich lieber drauf. Für mich können Regiokrimis interessant sein, die sich mit geschichtlichen Aspekten der Gegend befassen, wie bei Richard Dübell oder neuerdings Elisabeth Florin.

  1. Amiland ist Thriller-Land. Haben wir deiner Meinung nach auch in Deutschland gute Thriller-Schriftsteller?

Wer zum Beispiel Marc Ritter und Sebastian Fitzek gelesen hat, der weiß, dass es in Deutschland gute Thriller-Autoren gibt.

  1. Wieviele Krimis muss jemand lesen, um sich deiner Meinung nach “Experte” nennen zu dürfen?

Es kommt sicher mehr auf die Breite des Lese-Spektrums an, als allein auf die Menge. Die komplette Lektüre von drei Vielschreibern macht niemanden zum Experten.

  1. Stell dir vor, dir gefällt der Krimi, den du gerade liest, nicht. Abbrechen oder bis zum bitteren Ende durchhalten?

Abbrechen. Genau wie das Leben zu kurz ist, um schlechten Wein zu trinken, ist es auch zu kurz….

  1. Möchtest du selbst mal einen Krimi schreiben?

Dazu habe ich mich bereits geäußert: https://krimilese.wordpress.com/2014/03/01/nein-einen-krimi-schreib-ich-nicht/

11. Welcher Krimiautor hat Dich am meisten beeindruckt?

Das ist eine ähnliche Frage, wie sie Fußballtrainern häufig gestellt wird, wenn Reporter wissen wollen, wer im letzten Spiel der beste Spieler gewesen sei. Selten hebt ein Trainer dann einen seiner Spieler besonders hervor.

Ich werde versuchen, eine Antwort darauf zu geben, ohne lebende Autoren und Autorinnen vor den Kopf stoßen:

Das war zunächt Dorothy L. Sayers, bei deren Büchern und der Figur von Lord Peter Wimsey meine Liebe zur Krimiliteratur entdeckt habe. Später war ich (und bin es bis heute) begeistert von Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Henry Slesar. In letzter Zeit beeindruckten mich einige, sowohl fremd- als auch deutschsprachige Autorinnen und Autoren. Aus den in diesem Blog geposteten Rezensionen kann sich jeder ein Bild von meinen Präferenzen machen. Wer mich allerdings  am meisten beeindruckt hat, das kann ich gar nicht sagen.

Zudem gibt es Autoren und Autorinnen, die mich zunächst beeindruckt haben, später – mit nachfolgenden Krimis – nicht mehr. Donna Leon gehört zu dieser Gruppe. Auch Krimiautoren sind Menschen, die mal bessere und mal weniger gute Arbeit abliefern.

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Danke an Nicole von My Crime Blog und Peter von crimenoir. Es hat mir Spaß gemacht, das Stöckchen aufzunehmen und daran zu knabbern.

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5 Antworten zu Was soll’s! – Best Blog Award – 11 Fragen, 11 Antworten – eine Art von Coming Out

  1. My Crime Time schreibt:

    Und was das für schöne Antworten sind! Vielen Dank! Übrigens: Dorothy L. Sayers muss ich für mich noch entdecken. Aber der erste Band mit diesem Lord liegt bei mir schon herum. 🙂

  2. crimenoir schreibt:

    Dorothy L. Sayers habe ich jetzt auch notiert. So ein Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten ist etwas Feines! Danke 🙂

  3. Zeilenkino schreibt:

    Bei Dorothy L. Sayers geht es mir wie meinen Vorkommentatoren: Auch ich muss bzw. will diese Autorin noch entdecken.

    Eine sehr schöne Antwort auch zu den Regionalkrimis. Spontan würde mir als positives Beispiel noch Rainer Gross einfallen, der kluge und gerade historisch interessante Regiokrimis schreibt, die mit anderen Büchern dieses „Labels“ nichts gemein haben.

  4. Philipp Elph schreibt:

    Liebe Leute!
    Dorothy L. Sayers war meine erste (Krimi-)Liebe. Ich schwärme noch heute von ihr! OK, 25 Jahre später habe ich mich nochmals in sie verknallt – aber heute? Ich weiß nicht, ob das noch mal was wird mit uns beiden!

  5. Pingback: Ganz ohne Quietscheentchen: „Der Tote in der Badewanne“ von Dorothy Leigh Sayers | My Crime Time

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