Die Überdosis – oder: Ohne Adrenalin nix los!

Polizeipsychologin entflieht schwerverletzt dem Krankenhaus und begibt sich auf die Exif_JPEG_PICTURESuche nach ihrer entführten dreijährigen Tochter. Der Geiselnehmer treibt ein übles Spiel mit der Mutter, die die Fährte aufnimmt und schließlich eine grausige Entdeckung macht. Stress pur und schon wird Adrenalin ausgeschüttet. Eine Seite später: die nächste Adrenalinausschüttung, wieder bei der Mutter! Und so geht es weiter, nicht auf jeder Seite, aber oft. Beim großen Showdown dann das Malheur: Bei einem der Protagonisten sinkt der Adrenalinspiegel – Verzweifelung, Resignation, Niederlage.

Und für die mit Adrenalin überschüttete Mutter und die kleine Tochter wird alles gut.

Dies ist ein Beispiel von mehreren, vor Adrenalin triefenden Krimis und Thrillern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Adrenalin, die körpereigene Dope, ist in der gegenwärtigen Kriminalliteratur eine der Lieblingsstimulanzien neben den üblichen Drogen, inklusive Alkohol und Espresso, Letzter vornehmlich, um die Denkfähigkeit von Ermittlern zu födern. Adrenalin gewinnt überhand, besonders wenn es in einem Krimi wieder und wieder auftaucht als wenn es ein Toastbrot zum täglichen Frühstück wäre.

Hey, Ihr Adrenalinjunkies unter den Autorinnen und Autoren, es nervt. Spannung auf Knopfdruck quasi per Adrenalinausschüttung anzukündigen, das nervt. Vermeidet eine Überdosis Adrenalin in Euren Büchern! Bei mir löst sie eine allergische Reaktion aus, die in schweren Fällen einen Lese-Libido-Verlust hervorrufen kann.

Wir wissen: Bei unseren Urahnen hatten die Stresshormone die Aufgabe, den Körper auf Kampf oder Flucht vorzubereiten: Sie führen dazu, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erhöhen die Durchblutung der Muskulatur, erweitern die Atemwege, steigern den Blutdruck und drosseln die Darmtätigkeit – denn wer kann schon ruhig auf Toilette gehen, wenn er auf der Flucht ist (Quelle: Netdoktor)

So ist es. Aber kann eine solche Situation nicht mit anderen Worten ohne Adrenalinschub erzählt werden?

Wie schon beschrieben: Adrenalin drosselt die Magen-Darm-Tätigkeit. Damit bewirkt Stress in diesem Teil des Körpers das Gegenteil von Angst, dessen Folge unter anderen Erscheinungen ein Defäkalationsdrang (sprich Einnässen oder Einkoten) ist. Dieses Phänomen kommt derzeit in der Kriminalliteratur weitaus weniger – aber auch – vor.

Es gibt also mehr Obstipation als Defäkalationsdrang in der aktuellen Krimi- und Thrillerszene. Und das ist auch belegt, denn die Helden gehen nie auf’s Klo, um eine große Notdurft zu verrichten – oder kennt ihr eine solche Szene?

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3 Antworten zu Die Überdosis – oder: Ohne Adrenalin nix los!

  1. karu02 schreibt:

    Du hast meine volle Zustimmung. Gelegentlich wird auch das eine mit dem anderen verwechselt.
    Ich habe überlegt, welcher der Helden seine wichige Tätigkeit für einen Klo-Besuch unterbrechen musste. Es gab einen, ich komme aber nicht dran (es gibt schon zu viele Helden in meinem Kopf). Vielleicht fällt es mir später wieder ein. Bei einem spielte der Gang hinter die Büsche eine entscheidende Rolle für den Fortgang der Geschichte, es ist allerdings kein typischer Krimi, wenn auch mit kriminellen Handlungen, sondern eher ein Western oder eine Parodie auf das Genre, „Deadwood“ von Pete Dexter. Unbedingt zu empfehlen, gibts jetzt auch als Taschenbuch und trotz oder wegen der Pinkelszenen ein Lesegenuss. Adrenalin kommt auch genug vor, aber nicht als Wort, nur als beschriebener Zustand.

    • Philipp Elph schreibt:

      Danke für den Tip! Pete Dexter steht schon bei mir auf der Liste, allerdings mit Paperboy, seinem neuen Buch.

      • karu02 schreibt:

        Das ist das einzige, welches ich noch nicht vom ihm gelesen habe. Bin gespannt auf Deine Rezension. Von allen anderen war ich bisher sehr angetan.

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