Inge Löhnig: Deiner Seele Grab

P1000953Leichen alter Menschen, arrangiert wie in Stilllebengemälden des Barocks, geben Kommissar Dühnfort Rätsel auf.

Ein Foto von einem Tatort und der Leiche mit einer Traube in der einen und einem Apfel in der anderen Hand taucht gar in der Zeitung auf. Eine Person, die sich Samariter nennt, hat das Foto geschossen und sie schreibt auf ihrem Blog Pfegematisch über Missstände bei Pflege und Betreuung älterer Menschen.  Zudem erhält der Kommissar noch eine Mail vom Samariter! Klarer Fall – zunächst – für Konstantin Dühnfort und sein Team vom Münchener Morddezernat. Und während der Kommissar bei der einen oder anderen Tasse Espresso über das Motiv des Samariters sinniert, der doch die Opfer miserabler Behandlung Alter und Gebrechlicher schützen und nicht „erlösen“ und eher die Verursacher dieser Zustände bestrafen sollte, tauchen andere mögliche Motive auf: Rache, Hass, Gier.

Es ist nicht einfach für Dühnfort, der sich zudem noch gegen eine polizeiinterne Intrige und dem daraus resultierenden Ermittlungsverfahren wehren muss. Aber für diesen persönlichen Fall hat er die Unterstützung seiner Lebensgefährtin Gina.

Schließlich verweben sich die diversen Handlungsstränge – nachdem Inge Löhnig ihre Leser mit Raffinesse auf diverse falsche Fährten gelockt hat – und wir erfahren, was zu den Morden und der Darstellung der Leichen geführt hat.

Deiner Seele Grab ist wiederum eine gelungene Darstellung des Verhaltens von Tätern, bei der es darum geht zu ermitteln, welche Ursachen und daraus entwickelten Handlungsweisen einen Menschen zu kriminellen Taten antreiben.

Dass in diesem Roman auch aktuelle Themen wie die Geringschätzung älterer Menschen, die Problematik bei der Altenpflege sowie die Abhängigkeiten sich illegal in Deutschland arbeitender Menschen angesprochen werden, unterscheidet das Werk zudem von einem simplen Whodunits.

Wie bereits geschrieben: Ein gelungener Kriminalroman!

Erschienen: 2014

Rezensionen zu den vorherigen Bänden der Dühnford-Reihe:

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4 Antworten zu Inge Löhnig: Deiner Seele Grab

  1. Tina schreibt:

    Danke für diese Einschätzung! Ich trage das Buch seit einer Woche von einem Leseplatz zum andern umher..lese immer nur ein paar Seiten und bin bislang in keinster Weise gefesselt. Vielleicht muß ich einfach mal 50 S. am Stück lesen….

    • Philipp Elph schreibt:

      Inge Löhnigs Erzählweise weicht vom Standard erheblich ab. Es ist anfangs nicht so der berühmte Spannungsbogen, den sie aufbaut, sondern es sind eher die Ansätze zu gesellschaftskritischen Äußerungen, die wir zu lesen bekommen. Nicht jedermanns Ding – und wenn nicht, muss diese Anfangshürde zunächst überwunden werden – oder nicht. Aus meiner Position als älterer Mensch sind die Aspekte sicher interessanter als für Jüngere, wiewohl Inge Löhnig nicht nur für Ältere schreibt.

  2. Tina schreibt:

    Hallo!!
    ich habe gestern nun 180 Seiten gelesen. mehrmals war ich nah dran, es in die Ecke zu pfeffern, weil „einfach nix passierte“; zumindest nichts, das man als einen „Fall für Dühnfort“ hätte bezeichnen können. Das detaillierte Beschreiben dieses einen Falles, der sich wahrscheinlich im Buch davor zutrug(?), von dem Dühnfort abgezogen wird wg. der schlechten Presse, hat mich zutiefst gelangweilt. Aber ab S. 100 gibt es dann tatsächlich einen aktuellen Kriminalfall und es wird endlich ermittelt! Das erwarte ich irgendwie bei einem Krimi ( ausser bei Nesser!). Und dann fängt die Thematik auch an, sich interessanter und vielschichtig zu entfalten. Ich lese es nun sehr gespannt weiter! Aber es ist definitiv kein „pageturner“ . Eher ein Gesellschafts-Roman, in dem es zu Mordfällen kommt.

  3. ottogang schreibt:

    Ich kann also nur bestätigen, daß mir dieser neue „Dühnfort“ wieder gut gefallen hat. Vor allem im Hinblick auf den TV Beitrag von Wallraff, hat mich als „Silver Ager“ diese Geschichte schon beschäftigt. Gut gefällt mir auch, daß die Geschichten von Inge Löhnig auf die blutrünstig düstere skandinavische Erzählweise verzichtet.

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