NEIN, einen Krimi schreib‘ ich nicht!

„Du liest so viele Krimis, schreib‘ doch auch mal einen!“ Das sagen mir Freunde, die gar nicht wissen, dass Krimischreiben echte Arbeit ist, wenn’s denn ein guter Krimi werden soll.

Lesen mag zwar eine der Voraussetzungen sein, um ein Buch schreiben zu können, andere Tätigkeiten und Fähigkeiten aber auch.

Die Autorin, Redakteurin, Übersetzerin Zoë Beck hat vor einiger Zeit Schreibtipps veröffentlicht, und da Frau Beck eine erfolgreiche Autorin von Kriminalromanen ist, habe ich mir ihre Tipps genau durchgelesen.

Jetzt weiß ich es genau: Einen Krimi schreib‘ ich nicht!

Zunächst fällt mir keine Geschichte ein. Und nur das in neuer Verpackung zu erzählen, was schon zig Mal in verschiedenen Variationen mit kauzigen, griesgrämigen, lustigen und/oder versoffenen Kommissaren oder toughen Forensikerinnen an Hau-drauf-schlag-tot- und anderen Schieß-mich-tot-Stories geschrieben wurde, das will ich keinem Leser zumuten.

Ein Thema zu finden, das außergewöhnlich ist, mit Personal, dessen Charaktere nicht Miss Marple, Irene Huss, Tempe Brennan, Brunetti, Maigret, Marlow oder Wallander ähneln, dazu fehlt mir die Fantasie.

Ich könnte schreiben über Dinge, mit denen ich mich auskenne. Aber diese Dinge sind alle so langweilig, damit würde ich niemanden begeistern.

Schreiben über Themen, über die ich nur wenig weiß? Ich müsste recherchieren. Leute befragen, die über solche Themen Bescheid wissen – und lesen. „Um 1000 Worte zu schreiben, muss ich 10.000 Worte lesen“, schrieb neulich Annelie Wendeberg, die Autorin von Teufelsgrinsen.

Eine eigene Sprache sollte ich haben, einen eigenen Stil – und beides dann beim Schreiben durchhalten. Zunächst müsste ich lernen, wie man erzählt. Da soll es ja durchaus unterschiedliche Formen geben. Bin ich mehr der Don Winslow-Typ oder ein Friedrich Ani-Klon?

Kurse in einer Schreibschule sollte ich belegen. Zehnmal so viel Ideen haben, wie in einem Roman untergebracht werden können, weil vermutlich 90 Prozent Mist sind. Das ist wieder eine Frage meiner nicht vorhandenen Fantasie. Nicht nur die Story entwickeln, sondern auch die Personen. Die sollen ja leben und nicht nur eine konturenloses schwarz-weißes Bild in meinem Kopf sein.

„Erst mal ein solider Handwerker werden. Großer Künstler sein kann man immer noch!“ meint Zoë Beck.

Aber erst Handwerker, später Künstler? Der Weg ist mir zu langwierig, mit zu viel Arbeit verbunden.

Und dann noch der Stress mit dem Veröffentlichen. Verlag suchen mit allem Pipapo, oder als Indie oder Selfpublisher die nächsten Anfängerfehler begehen.

Also lasse ich es bleiben und beschränke mich auf das Lesen von Krimis. Und manchmal denke ich beim Lesen: So ein Glück, dass ich das nicht geschrieben habe!*

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* Fairerweise, der guten Sitten und der Ordnung halber sollte ich erwähnen, dass die überwiegende Anzahl meiner Krimi- und Thrillerlektüre, die ich auf diesem Blog vorstelle, zu den gelungenen bis sehr gelungenen Exemplaren dieser Gattung gehört.

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5 Antworten zu NEIN, einen Krimi schreib‘ ich nicht!

  1. meikesbuntewelt schreibt:

    Du hast so recht, Philipp. Ich würde auch keinen Krimi schreiben. Das ist entweder furchtbar viel Arbeit oder wird nix.

  2. Tina schreibt:

    Mir gehts ebenso! Ich werde immer mal gefragt, warum ich nicht selber einen Roman schreibe, wo ich doch so viele kenne und sie so oft bespreche. Aber es geht mir, wie du oben so treffend schreibst!! Gerade weil man so viel kennt und gute und schlechte und miserable, weiß man auch, wie schwer es sein muß, etwas auf die Beine zu stellen, das etwas taugt. Man hat einfach auch einen sehr hohen Anspruch, an andere und erst recht an sich selbst. Und ich wollte nie nur Mittelmaß abliefern, das im gesamten www dann höhnisch verissen würde…;-)
    Abgesehen davon fehlen mir die Einfälle, die Zeit, die Phantasie, und möglicherweise auch das Talent!

    • Philipp Elph schreibt:

      Wenn ich höre oder lese, was erfolgreiche Autorinnen und Autoren über ihre Arbeit sagen, sehe ich immer wieder meine Grenzen – und das ist gut so.

  3. Pingback: Was soll’s – Best Blog Award – 11 Fragen, 11 Antworten | KrimiLese

  4. Anni Bürkl schreibt:

    Hihi, sehr lustig formuliert. Zum Glück gibts für uns Autoren auch Leser. 😉
    Im Ernst: es gibt zu jedem Thema Aspekte, die spannend sind. Die muss man als Autor eben herausarbeiten. Keine Geschichte existiert zweimal, auch wenn ihre Grundidee ähnlich erscheinen mag. Jeder würde sie anders erzählen – die Figuren haben einen anderen Blickwinkel aufs Thema, usw.
    Und das Handwerkszeug kann man lernen.

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