Fran Ray: Der Skandal

P1000938Was brauchen wir noch Winslow und Le Carré, wir haben Fran Ray!

Beschreibung (U4-Text): Christina Andersson ist der aufsteigende Stern im Morddezernat von Milwaukee, als ihr Bruder brutal ermordet, ihr kleiner Sohn schwer verletzt wird. Alles weist auf einen persönlichen Racheakt hin. Doch Christina hat Zweifel. Und obwohl ihre Vorgesetzten ihr strikt verbieten, sich einzumischen, lässt sie nicht locker. Bald fördern ihre Ermittlungen Unglaubliches zutage: ein riesiger Umweltskandal, von Politik und Wirtschaft vertuscht. Kann Christina es wirklich mit den Mächtigsten des Landes aufnehmen?

Eindruck: Wenn doch alles so einfach wäre für Christina Andersson! Wenn es doch nur ein Skandal wäre, der davon handelte, wie Karrieren bei der Polizei von Milwaukee im Allgemeinen und bei der Homicide Squad im Speziellen verlaufen, wer und wie protegiert, gemobbt oder verdrängt wird. Aber es geht um einen noch viel größeren Skandal, allerdings mit einer gewissen Schnittmenge beim beteiligten Personal. Ein Umweltskandal ungeheuren Ausmaßes bahnt sich an, der sich bis in die Familie von Chris Andersson auswirkt.

In zwei Hauptsträngen, die sich immer wieder überschneiden, erzählt Fran Ray die sehr persönlichen Ereignisse um Detective Andersson und den politischen-wirtschaftlichen Machenschaften des Gouverneurs sowie des Big Bosses der Minengesellschaft.

„Das Feld nicht kampflos den Chinesen überlassen“ ist die Parole für die scheinbar patriotisch hehren Ziele, die letztlich nur dazu dienen, die Taschen Weniger zu füllen, zu gesundheitlichen Lasten der Menschen, die in der Umgebung der Mine leben, zu Lasten der Umwelt, die dauerhaft Schaden nehmen wird. Da ist jeder im Weg, der in irgendeiner Weise die Gewinnler am Erreichen ihrer Ziele hindern könnte, und wer das trotzdem versucht, der lebt gefährlich, zuweilen auch nicht mehr lange.

Das ist kein neues Thema, aber in diesem Fall wird es von Fran Ray aufregend erzählt. Sie ist immer dicht dran an den Agierenden – reportageähnlich -, ohne Abstand, der Gelegenheit gäbe zu reflektieren. Die Nähe erlaubt es dem Leser, sich mit Andersson zu identifizieren, sich von den „Bösen“ zu distanzieren. Das hält den Aufmerksamkeitspegel beim Lesen hoch. Jedes weitere Zuschlittern auf die Katastrophen, seien es menschliche oder die Umweltkatastrophe, erhöht die Spannung – und als der Worst Case dann wirklich eintritt, bin zumindest ich als Leser einerseits erleichtert. Andererseits gibt der Thriller mir jedoch genügend Anreize, über die von Fran Ray gut recherchierten Methoden zur Gewinnung der Metalle der Seltenen Erden und den damit verbundenen Umweltbelastungen in Vergangenheit und Gegenwart sowie über die politischen und wirtschaftlichen Interessen in diesem Zusammenhang nachzudenken.

Wie gesagt: siehe oben!

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Erschienen: Deutschland 2013

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2 Antworten zu Fran Ray: Der Skandal

  1. karu02 schreibt:

    Das scheint ja eine Entdeckung zu sein und ein aktuelles Thema.

  2. Pingback: Ganz aktuell | Manuela Martini

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