Christine Cazon: Mörderische Côte D’Azur

P1000948Während des Filmfestivals in Cannes wird der berühmte Dokumentarfilmer Serge Thibaut ermordet. Für Kommissar Léon Duval eine harte und auch nervige Arbeit, den Mord aufzuklären. Polizeidirektor, Ermittlungsrichterin, Staatsanwalt und Bürgermeister drängen ihn, den Fall schnell zu lösen, denn das Festival soll ungestört weitergehen. Thibaut war scheinbar ein Gutmensch, Beschützer der Regenwälder, Freund der darin lebenden Urbevölkerung – einerseits. Andererseits kooperierend mit einer dubios Umweltorganisation, angefeindet von einem Kollegen. Er war ein Star mit großem Drang zur Selbstdarstellung und Protzerei sowie anderen schlechten Eigenschaften.

Kommissar Duval versucht, ein Motiv für den Mord zu finden, wird dabei gebremst von seinen Vorgesetzten, die vermeiden wollen, dass eine dunkle Seite des Toten öffentlich wird. Mit Hilfe seiner Kollegen ermittelt Duval trotzdem in die Abgründe von Thibauts Leben und wird fündig.

Dieses Buch von Christine Cazon ist für mich ein großes Dèjá-vu-Erlebnis.

Es beginnt mit dem Cover. Jean-Luc Bannalecs bretonische Krimis vom gleichen Verlag lassen grüßen. Genau wie hinter Jean-Luc Bannalec verbirgt sich die Autorin hinter einem Pseudonym – und beide sind oder waren – in der Verlagswelt zu Hause. Das muss kein schlechtes Omen sein, aber in beiden Fällen ist der ermittelnde Kommissar zudem aus Paris versetzt worden, bei „Bannalec“ unfreiwillig ins Finistêre, bei „Canzon“ geht er freiwillig nach Cannes. Bei beiden tritt die Mutter in einer unbedeutenden Nebenrolle auf, die Väter existieren nicht mehr – und beide Kommissare haben ein Faible für Café und gutes Essen. Ist wohl so in Frankreich! Fast überflüssig zu erwähnen, dass beide allein hausen, wobei Duval noch nicht geschieden ist, aber getrennt von der Familie lebt. Sowohl der eine als auch der andere ist grundsätzlich an einem Techtelmechtel in der neuen Umgebung nicht abgeneigt, steht sich dabei jedoch selbst im Wege. Aber genug des Vergleichs!

Selbstverständlich gilt auch hier die Unschuldsvermutung, und deshalb werde ich mich hüten, „Christine Cazon“ als  – um im Krimijargon zu bleiben – Nachahmungstäterin zu bezeichnen. Es ist wohl alles ein riesiger Zufall.

Wer Cannes zur Zeit des Festivals kennt oder kennenzulernen möchte, dem wird dieser „Erste Fall für Kommissar Duval“ gefallen. Der Krimi zeigt auch einen in Blick hinter die Kulissen und in die Stadt, die nicht überall so leuchtet wie um das Palais zur Filmfestival-Zeit.

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Erschienen: Deutschland 2014

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10 Antworten zu Christine Cazon: Mörderische Côte D’Azur

  1. richensa schreibt:

    Hmm.. so richtig reizt mich das Hineinlesen nach deinem Vergleich nicht, scheint so ein Büchlein für ein schnelles Durchschmökern im Zug und danach weiterreichen zu sein?

  2. Tina schreibt:

    Danke für dein Fazit!!
    Alles, das sich erfolgreich verkauft, wird nachgemacht.Das ist nunmal so. Ich weiß von mindestens einem weiteren Krimi, der in Frankreich spielen wird und auf der Bannalec-Welle schwimmen wird…und pünktlich zur Reisezeit erscheint. Ich selber stehe diesen Trittbrettfahrern auch sehr kritisch gegenüber. Aber der Abverkauf wird zeigen, dass es einfach sehr viele Leser gibt, die es lieben, das immer gleiche oder sich stark ähnelnde zu lesen. Viele wollen, wenn ihnen ein Roman gefiel, gleich anschliessend noch einen, der so ist, wie der vorherige. Das erlebe ich tagtäglich. Es sei ihnen gegönnt ;-))

    • Philipp Elph schreibt:

      Diese „me too“-Erscheinung gibt es ja nicht nur bei Büchern. Erfolgreiches wird halt gern kopiert. Und dass ein Verlag Cover nach Regeln der Corporate Identity gestaltet, ist auch nicht verwerflich, zumal in diesem Fall die Handlungsorte am Meer liegen. Es sind nur die vielen Parallelitäten, die hier so aufffallen.

  3. Pingback: Neulich, in Frankreich: „Mörderische Côte d’Azur“ von Christine Cazon | My Crime Time

  4. Pingback: Mach! Mich! Nach! | My Crime Time

  5. il_libraio schreibt:

    Heute frisch eingetroffen in der Buchhandlung: Provenzalische Verwicklungen von einer Sophie Bonnet. Reiht sich hier super ein. Pariser Kommissar, von der Frau verlassen, ermittelt jetzt in der Provence. Blaues Cover, französische Kleinstadt, Pseudonym… Einziger Unterschied: ist nicht von KiWi.

  6. Pingback: Eure Meinung ist gefragt! | My Crime Time

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