Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

P1000921Im Südtiroler Meran trifft der welsche Commissario Pavarotti nicht den richtigen Umgangston bei den immer noch deutschsprachigen Einwohnern, die sich auch heute noch nicht als Italiener fühlen. Schlecht für den Kommissar aus Bozen, der wieder einmal in der ungeliebten Gegend in einem Mordfall ermitteln muss.

Pech für ihn, dass die Einheimischen seine Arbeit beargwöhnen und die Lippen weitgehend verschlossen halten. Dabei ist ein ungeliebter Zeitgenosse erschlagen worden, ein reicher Hotelier und Grundbesitzer, der offensichtlich mit den Italienern kooperierte.

Glück für den behäbig wirkenden Commisario, dass sich ihm die deutsche Touristin Lissie, eine gestylte, gerade von einer Frankfurter Bank geschasste PR-Tussi, mit in diesen Fall einmischen möchte, nachdem sie tags zuvor den Gemordeten kennengelernt hatte?

Jedenfalls scheint das ungleiche Paar so einige verschlossene Türen einzurennen. Und die führen in die Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert, zur Italianisierung und dem Befreiungskampf in den 60ern des letzten Jahrhunderts durch die Südtiroler Freiheitskämpfer mit ihren Erfolgen und letztlich dem Scheitern durch Verräter in ihren eigenen Reihen. Heute noch, über 50 Jahre nach den Bemühungen nach mehr Autonomie, scheinen nicht alle Rechnungen aus der wilden Zeit beglichen zu sein und so reiht sich an den ersten Mord ein weiterer.

Ein Konglomerat aus altem Hass und neuen Ereignissen machen es Pavarotti und Lissie schwer, durch Merans Laubengänge, an der Passer entlang und auch auf luftige Berghütten hinauf den rechten Weg zur Lösung der Tötungsdelikte zu finden.

Was zunächst nach einem netten Krimi mit viel Meraner Lokalkolorit aussieht, entpuppt sich recht schnell als ein gewichtiges Stück jüngerer Geschichte Südtirols, stets verknüpft mit der Frage, was passierte damals und lässt heute die Einheimischen noch nicht im Frieden miteinander leben. Wobei nicht jede kriminelle Handlung in Meran in Zusammenhang mit der Vergangenheit stehen muss.

 Ein interessantes Krimidebüt von Elisabeth Florin – aber kein Cosy-Soft-Stück, das in einer heilen Urlaubsatmosphäre des hübschen Südtirol spielt, obwohl……..

…. da bahnt sich was an zwischen dem unförmigen Pavarotti und der gestylten Tussi!

Ein zweiter „Pavarotti“ ist bereits in Arbeit, natürlich mit Lissie an seiner Seite – ich freue mich drauf!

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Erschienen 2013

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4 Antworten zu Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

  1. Tina schreibt:

    Danke für diesen Tipp!! Als Touristin, die oft/gerne in und um Meran herum unterwegs war/ist, sollte ich mir diesen Krimi wohl zur Hand nehmen.Klingt gut.

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