Don Winslow: Vergeltung

P1000932Suhrkamp bezeichnet ihn als Winslows „bislang härtesten Thriller“. Was den Verlag davon abhält, ihn mit dem gesteigerten Superlativ „brutalstmöglich“ zu bewerben, ist mir schleierhaft. Hier würde er passen. Renommierte Krimi- und Thriller-Kritiker bezeichnen das Werk als „Landserheft“ (Tobias Gohlis) oder nennen es „platt und klischeehaft“ (Thomas Wörtche). Hobbyrezensenten geben im Schnitt üppige 4,3 von 5 Sternen. Hier reicht die Streuweite von „dümmlich und trivial“ bis „spannend von vorn bis hinten“.

Ich bezeichne „Vergeltung“ als zwar spannend aber simpel und eindimensional, brutalstmöglich, stets und nur darauf ausgerichtet, das Ziel, die Vernichtung der Feinde, zu erreichen. Da gibt es keine Kür, da gilt nur die Pflicht.

In diese Pflicht nimmt sich Dave Collins, ein ehemaliger Delta-Force-Major, der beim Absturz eines Passagierflugzeugs Frau und Sohn verliert. Eine von islamistischen Terroristen abgefeuerte Rakete hat dieses Unglück verursacht. Die US-Regierung deklariert den Absturz als Folge eines technischen Defekts, hat kein Interesse daran, den nahezu aussichtslosen Kampf gegen den Terrorismus weiterzuführen. Die Versicherung zahlt den Hinterbliebenen Entschädigungen und damit scheint der Absturz erledigt.

Nicht für Dave Collins. Kurz vor seinem Selbstmordversuch erhält er Beweise für die Terroraktion. Der Ex-Delta-Force-Soldier will darauf hin nur eins: Vergeltung. Und das heißt, den Tod der Ausführenden und Auftraggeber.

Mit den Entschädigungen der Angehörigen der Opfer begibt er sich zunächst auf die Suche nach den besten Söldnern der Welt, danach tritt Dave mit dieser Truppe zur Liquidierung der Terroristen an.

Rachegefühle und der – schon oben beschriebene – brutalstmögliche Weg zum pseudo-hehren, scheinbar moralisch gerechtfertigten Ziel des kriegerischen Mordens, getragen vom Anspruch auf Selbstjustiz, zeichnen den Thriller – negativ – aus. Spannend ist die Geschichte sicherlich, auch die ausführlichen, gut recherchierten Beschreibungen der Spezialkräfte verschiedener Nationen und deren Ausrüstung, die auch Equipment der Söldnertruppe ist, mögen beeindrucken.

Übrig bleibt – nachdem das Ziel dann unter herben Verlusten, jedoch mit unerwarteter Hilfe erreicht ist – , dass es sich um eine Vergeltung handelt, die mit den Worten beschrieben wird:

Ein Terrorist ist ein Terrorist ist ein Terrorist, und der einzig richtige Umgang mit einem solchen besteht darin, ihn zu töten.

Viel mehr ist auf knapp 500 Seiten nicht geschrieben, nur immer wieder mit anderen Worten. Und das ist Landserheft-mäßig und platt. Daher die Bitte an Don Winslow, den nächsten Thriller wieder in gewohnter Art wie „ Tage der Toten“, „Zeit des Zorns“, „King of Cools“ zu schreiben!

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Original: Vengeance (zum Zeitpunkt des Erscheinens der deutschen Ausgabe offensichtlich noch nicht im Original erschienen), dt. 2014 (Übersetzung: Conny Lösch)

 

 

 

 

 

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2 Antworten zu Don Winslow: Vergeltung

  1. Tina schreibt:

    Vielen Dank für diese schonungslose Kritik. Ich war schon nahe dran, ihn zu lesen, da er es so unerwartet weit noch vorn in den Bestsellerlisten schaffte. Aber nun lasse ich doch die Finger davon. Es gibt ja noch so viele, andere Bücher 🙂

  2. Pingback: Don Winslow: Way Down on the High Lonely | KrimiLese

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